Urbaner Holzbau – Studentenwohnheim Ellener-Hof – Bremen

  • Ort: Bremen
  • Gebäudetyp: Wohnungsbau - Studierendenwohnheim
  • Fertigstellung: 2020
  • Beauftragte Leistungsphasen: LPH 1-5
  • BGF: ca. 2700 m²
  • Bauherr: Bremer Heimstiftung - Bremen
  • Auftraggeber LP 1-3: Bremer Kontor - Bremen
  • Auftraggeber LP 4-5: Schütt Holzbau - Landscheide-Flethsee
  • Stadtplanung: De zwarte Hond - Köln
  • Landschaftsarchitektur: RMPSL - Hamburg
  • Tragwerksplanung: ifb frohloff staffa kühl ecker - Berlin
  • Bauphysik / Energiedesign: Ingo Andernach - Berlin
  • Brandschutz: Dehne & Kruse - Gifhorn
  • Haustechnik: Duschl Ingenieure - Rosenheim
  • Schallschutz / Akustik: gerlachakustik - Bremen
  • Planung Badmodule in Holzbauweise: Tjiko - Rosenheim

Die Bremer Heimstiftung plant in Bremen das Stiftungsdorf Ellener Hof. Die Grundidee sieht ein soziales und ökologisches Quartier, mit dem Leitbild eines vernetzten Dorfes vor. Durch unterschiedliche Lebens- und Wohnformen und einen hohen Anteil günstiger Wohnmöglichkeiten, wird ein modellhaft inklusives Quartier geschaffen, das die Heterogenität der Nutzer sowie gestalterische Vielfalt zum Ziel hat.

Ausgangspunkt für die Planung des Gebäudes 5 Baufeld 1 Ellener Hof ist der städtebauliche Entwurf des niederländisch-deutschen Büros für Architektur und Stadtplanung, DeZwarteHond, zusammen mit RMP Landschaftsarchitekten von April 2016. Der Entwurf gliedert sich in 9 Baufelder mit verschiedenen Wohnungsbautypologien für unterschiedliche Bewohner. Alle Gebäude sollen in mehrgeschossiger Holzbauweise oder als mehrgeschossige Holz-Beton Hybridbauten realisiert werden.

Basierend auf dem städtebaulichen Entwurf sowie einem Pflichtenheft erarbeiten Atelier PK Architekten einen Vorentwurf für ein Studierendenwohnheim, der mit dem Auftraggeber, den verschiedenen Fachplanern, und der zuständigen Bauaufsicht bis 02/2018 abgestimmt wird. Anschließend erfolgt die Erarbeitung einer Funktionalen Leistungsbeschreibung, mit der Bremer Kontor in Gespräche mit verschiedenen GÜs für eine Schlüsselfertigvergabe geht. Nach Erhalt des Zuschlags bindet die Fa. Schütt Holzbau das Planerteam um Atelier PK Architekten mit der weiteren Planung des Studierendenwohnheimes und der Einreichung des Bauantrages.

Grundstück
Das Baufeld 1 umfasst eine Fläche von ca. 6750qm. Für das Ensemble der Häuser 1, 2 und 4 und der dazwischenliegenden Hochgarage wurden bereits Bauanträge von Atelier PK Architekten und der Gruppe OMP Architekten im Juni 2018 bei der Bauordnung eingereicht. Das Studierendenwohnheim befindet sich süd-östlich an dieses Ensemble angrenzend. Es handelt sich um ein 7-geschossiges, freistehenden Gebäude in Holz-Hybrid-Bauweise.

Städtebauliche Einordnung
Das neue Quartier soll auf die Heterogenität der umgebenden Bebauung eingehen und an den Gebietsrändern Übergänge schaffen. Im Norden des Gebietes befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite der stark befahrenen Ludwig-Roselius-Allee ein Einkaufszentrum sowie Wohnungsbauten mit zehn und mehr Geschossen. Im Osten und Süden schließen Reihenhaustypologien und freistehende Wohnhäuser an das neue Quartier an. Im Westen des Stiftungsdorfes befindet sich der Grünraum Ellener Feld. Das neue Quartier des Stiftungsdorfes versucht zwischen diesen Typologien zu vermitteln. Das Stiftungsdorf selbst sieht neben dem Erhalt einiger Bestandsbauten eine heterogene neue Bebauung vor. Großformen und Punkthäuser mit unterschiedlicher Geschossigkeit und lebendigen Dachlandschaften sollen das Stiftungsdorf prägen.

Verkehr und Erschließung
Das Quartier ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die PKW-Erschließung des neuen Quartiers erfolgt von der Ludwig-Roselius-Allee über eine neue Planstrasse. Allgemein wird eine autoreduzierte Mobilität im Stiftungsdorf angestrebt. Die Erschließungsplanung wird durch das Büro M+O erstellt. Parkplätze sollen vorrangig in der überirdischen Garage in Baufeld 1 realisiert werden. Die Zufahrt zur Garage wird in Gebäude 1 integriert.

 

Städtebauliche Situation
Das freistehende Gebäude bildet den süd-östlichen Abschluss des Baufeld 1.
Der 7-geschossige Baukörper erreicht eine Höhe von bis zu 21,45m und liegt somit unter der Höhe von 22m, die im B-Plan festgelegt ist. Das Haus 5 bildet mit seinen 7 Geschossen einen markanten Hochpunkt, direkt an der fußläufigen Verbindung zur Ludwig-Roselius-Allee.

Gebäude
Das Gebäude ist der Gebäudeklasse 5 zuzuordnen. Der 7-geschossige Holz-Hybridbau hat die Kantenlängen 19,30m zu 20,70m. Die südliche Gebäudeecke ist aufgrund der Baugrenze des B-Plan über alle Geschosse hinweg abgeschrägt. Die Grundfläche und die einzelnen Geschosse beschreiben ein Polygon mit 5 Ecken. Im Gegensatz zu den übrigen Häusern 1,2 und 4 des Baufeld 1, verfügt das Studierendenwohnheim über eine ruhige Dachlandschaft in Form eins Flachdaches mit umlaufender Attika.

Nutzungen
Die identischen Regelgeschosse 1. – 6. OG dienen ausschließlich dem Wohnen und beherbergen insgesamt 11 Appartements für Studierende pro Geschoss. Hiervon ist 1 barrierefreies und ein rollstuhlgerechtes Appartement. Das aufgeständerte Erdgeschoss bietet Raum für unterschiedlichste Funktionen und Nutzungen: 2 Gemeinschaftsraum, Waschsalon, Hausmeister mit Werkstatt und Lager, Kellerersatzräume, Haustechnik- und Hausanschlussräume, 2 PKW Stellplätze sowie einen überdachten Bereich für insgesamt 64 Fahrrad Doppelstockparker.

Erschließung
Die Vertikalerschliessung erfolgt über 2 offene Treppenhäuser, die sich an der Süd Ecke und an der Nord Ecke des Gebäudes befinden. Das südliche Treppenhaus (TH1) verfügt über einen Aufzug und ermöglicht so die barrierefreie Erschließung aller Wohngeschosse.
Der Zugang zum TH1 erfolgt über das aufgeständerte Erdgeschoss und nimmt so das Konzept der überdachten Eingangssituation auf, das sich auch bei Haus 1 und weiteren Gebäuden im Ellener-Hof findet. Die horizontale Erschließung der Geschosse erfolgt über einen Mittelflur, der die beiden Treppenhäuser miteinander verbindet. Die konstruktive Höhe der Obergeschosse beträgt 2,85m, die lichte Raumhöhe 2,50m. Das Erdgeschoss verfügt über eine lichte Raumhöhe von ca. 3,20m in den unbeheizten Bereichen, von ca. 3,10m in den beheizten Räumen.

Fassade
Das Gebäude wird mit einer hinterlüfteten Holzfassade versehen, die den Gedanken eines nachhaltigen ökologischen Quartiers nach außen trägt. Drei unterschiedlich breite, vertikal angeordnete Lärchenhölzer schaffen ein belebtes Fassadenbild über die 6 Obergeschosse hinweg. Im Erdgeschoss wechselt die Fassadenmaterialität auf Stahlbetonoberflächen kombiniert mit großflächigen U-Glas Flächen. Teils klar, teils satiniert schaffen diese U-Gläser einen robusten und industriellen Charakter, der der Nutzung durch Studierende gerecht wird. Durch die großformatigen Verglasungen öffnen sich die Gemeinschaftsbereiche Waschsalon und Gemeinschaftsraum und ermöglichen so eine gute Kommunikation der Bewohner untereinander, sowie eine gute Kommunikation der Bewohner mit Nachbarn aus dem Quartier. Die Obergeschosse werden auf der Nord-West und der Süd-Ost Fassade von den sich wiederholenden, großzügigen, 3-teiligen Fensterelementen geprägt, auf der Süd-West und der Nord-Ost Fassade von den offenen Treppenhäusern in Stahlbeton und den angrenzenden raumhohen Flurfenstern, die großzügige Ein- und Ausblicke ermöglichen.

Dach und Decken
Die Decken- und Dachkonstruktion der Obergeschosse wird in Mischbauweise erstellt. Im Bereich der Wohneinheiten sind einachsig spannende Brettsperrholzdecken geplant, eine Wohneinheit entspricht einem Deckenfeld. BSH Unterzüge dienen als Auflager. Die Decken haben eine Dicke von d=12 cm in C24. Die Flurdecke wird als einachsig spannende Stahlbetondecke mit einer Dicke von d=16 cm in C25/30 ausgeführt. Die Decke über dem Erdgeschoss wird als punkt- und linienförmig gestützte Stahlbetondecke mit zweiachsigem Lastabtrag ausgebildet. Die Dicke der Decke beträgt d=25 cm, die Ausführung erfolgt in C25/30.

Unterzüge
Die Unterzüge dienen den Brettsperrholzdecken als Auflager. Sie werden als Zweifeldträger ausgebildet, als End und Mittelauflager werden Holzstützen angeordnet, bzw. die Flurwand dient als Endauflager. In den oberen Geschossen haben die Unterzüge je nach Lasteinflussfläche Abmessungen von b/h=16/30 cm in BSH GL24h, bzw. b/h=18/30 cm in BSH GL30c. In den unteren Geschossen muss aufgrund der Lastdurchleitung ein Material mit höherer Querdruckfestigkeit gewählt werden, es soll FSH STEICO G LVL X zum Einsatz kommen.

Wände und Stützen in den Obergeschossen
Die Stützenquerschnitte der Endauflager-Stützen betragen b/h=16/20 cm bzw. b/h=18/20 cm in BSH GL24h, die Mittel-Stützen haben Abmessungen von b/h=16/30 cm bzw. b/h=18/42 cm in BSH GL24h. Im EG werden die Stahlbetonrundstützen mit einem Durchmesser von 30 cm ausgeführt. Die Betongüte variiert zwischen C30/37 und C35/45 (Einsatz von Tausalz). Die tragenden Flurwände werden mit einer Dicke von d=25 cm in C25/30 ausgeführt. Die Außenwände sind nicht tragend. Sie werden als gedämmte Holzrahmenkonstruktion ausgeführt. Der Nachweis erfolgt durch den Fassadenhersteller.

Treppenhäuser
Die Treppenhäuser werden massiv aus Stahlbeton hergestellt, diese liegen außerhalb der thermischen Hülle des Gebäudes.

Im “oberen Treppenhaus” / TH2 werden die Treppenläufe als einläufige Fertigteile (d=20 cm) inkl. Zwischenpodest (d=30 cm) geplant und liegen auf einem Konsolbalken bzw. dem Hauptpodest auf.

Zwischenpodest und Lauf erhalten keinen Aufbau. Die Hauptpodeste werden in Ortbeton mit einer Dicke von d=22 cm geplant. In Hauptpodestebene verläuft ein Stahlbetonriegel b/h=30/30 cm zwischen den Stützen b/h=30/30 cm. Die Treppenhauswände sind mit einer Dicke von d=25 cm geplant.

Aufgrund der Tausalzbeanspruchung werden sämtliche Bauteile der Treppenhäuser in der Betongüte C35/45 hergestellt. Die Treppenhäuser sind durch die Dämmebene vom Hauptgebäude getrennt, zu Aussteifungszwecken werden sie über Isokörbe an das Hauptgebäude angeschlossen.

Stabilität und Windaussteifung
Die Aussteifung und Stabilität des Gebäudes wird durch die Deckenscheiben und die aussteifenden Wände sichergestellt. In Querrichtung wirken die Brettsperrholzdecken als Druckstäbe, welche die Aussteifungslasten an die Stahlbetondecke weiterleiten, die über Isokörbe mit den aussteifenden Treppenhäusern verbunden ist. In Gebäudelängsrichtung wirken die Brettsperrholzdecken als Scheibe. Die Endfelder werden als Kragscheibe betrachtet, welche die Aussteifungslasten über Zug und Druck in den Stahlbetonkern einleiten.

Gründung
Ein Gutachten über die Baugrundverhältnisse liegt zur Zeit noch nicht vor. Bis zum Vorliegen des Baugrundgutachtens wird auf das Gutachten des Nachbarbaufeldes “Neuer Ellener Hof” / Baufeld 1 zurückgegriffen. Die zulässigen Bodenpressungen werden mit 250 kN/m² angenommen. Die frostfreie Gründungstiefe liegt bei 0,8m unter Geländeoberkante. Die Gründung der Erdgeschossstützen erfolgt über Streifenfundamente. Die Fundamentbreite variiert je nach Belastung zwischen 60 und 80 cm. Im Bereich der Flurwände und Treppenhauskerne wird eine tragende Bodenplatte mit d=60 cm ausgeführt. Aufgrund der Tausalzbeanspruchung in den Außenbereichen ist bei den Gründungskörpern eine Betongüte von C35/45 zu wählen. Im Innenbereich wird aufgrund geringerer Anforderungen an die Expositionsklasse eine Betongüte von C25/30 gewählt.