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Neugestaltung Marienhof - München

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Der "grüne" Marienhof
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Modell - Blick von Süden
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Lageplan
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Grünplan Innenstadt München
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Raumbildender Grünraum
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Entwurf Marienhof - die verschiedenen Layer
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Lichtkonzept
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Detailschnitt durch das Baumquarree
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S-Bahnzugänge werden zum Leuchtkörper
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Schnitt a-a
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Schnitt b-b

Städtebauliche Einbindung

Nach der wechselvollen städtebaulichen Geschichte des Marienhofes definiert eine Grüne Skulptur einen neuen Ort an dieser markanten innerstädtischen Stelle hinter dem Münchner Rathaus. Die Raumkanten zu den angrenzenden Straßenräumen werden mit einer doppelten Baumreihe geschlossen. Im Gegensatz zu dem offenen steinernen Marienplatz vor dem Rathaus erhält der Marienhof eine klare räumliche Fassung und wird so in den Raumabfolgen der Innenstadt dreidimensional verortet. Er erlangt im eigentlichen Wortsinne seine Identität als Hof.



Freiraumkonzept

Mit einem grünen Platz etabliert sich ein kommerzfreier Ort im Herzen der Altstadt. Der Marienhof wird als Trittstein zum wichtigen Bindeglied zwischen Hofgarten, und dem südlichen Bereich des inneren Grünrings.
Der Entwurf zum Marienhof präsentiert sich gegenüber dem Hofgarten als moderner, grüner Stadtplatz mit einer hohen Aufenthalts- und Erholungsqualität und greift das gestalterische Element der Grünen Raumkante des Hofgartens auf. Er reiht sich so als wieder erkennbares Raumgefüge in die Raumabfolge der Nord- Süd Grünverbindung ein. Somit setzt er einen grünen Akzent in das Stadtzentrum Münchens.



Der Marienhof

Die Raumkanten des Marienhofes werden durch einen dreidimensionalen Baumkörper zweier hoch aufgeasteter Baumreihen gebildet. Ein in sich ruhender nach außen geschlossener und nach innen offener grüner Körper. Als räumlicher Gegenpol zum offenen Marienplatz vor dem Münchner Rathaus dem städtischen Leben einer Fußgängerzone entsteht auf dem Marienhof ein eigenständiges, in sich ruhendes Gegenüber. Das lichte Baumdach der hoch aufgeasteten Bäume bildet neben der klaren Definition einer Raumkante einen Filter zwischen Marienhof und den angrenzenden Straßenräumen. Die Säulenhalle der Bäume ist auf Aughöhe des Betrachters ein offener großzügiger Raum mit einer eigenen Aufenthaltsqualität. Im lichten Schatten der Bäume lässt sich hier im Sommer verweilen, flanieren, spazieren und Boule spielen. Bequeme Parkbänke aus Edelhölzern dienen als Sitzgelegenheiten auf der Tennenfläche des Karrees. Dem Benutzer ist es dabei freigestellt sich eher in Richtung der quirligen Straßenräume oder in Richtung der Rasenfläche zu orientieren.Unter dem schützenden Baumdach finden die gesamten oberirdischen Einbauten der unterirdischen S- und U-Bahnstation Marienhof sowie die Eingänge zu dieser ihren Platz und werden gestalterisch in den Gesamtraum integriert. Innerhalb des Baumkarrees erschließt sich dem Besucher eine weitläufige und ruhige Rasenfläche. Die Rasenfläche lädt zum kurzweiligen oder längeren Verweilen ein und spricht dabei verschiedenste Nutzergruppen an. Ob zum Businesslunch oder zum nachmittäglichen Ausruhen beim Shopping, der Marienhof bildet einen ‚Grünen’ Ruhepol ohne Kommerz im Zentrum und ist dabei für alle Altersgruppen attraktiv: Feinkostsnacks aus der angrenzenden Gastronomie können auf der Platzfläche verzehrt werden, Kinder können sich bei einer kleinen Einkaufspause austoben und Abends ist der neue Marienhof ein signifikanter Treffpunkt für Münchner und Touristen. Eine topografische Kante setzt die Rasenfläche leicht von der Boulevardfläche des Baumkarrees ab. Die 30 cm hohe Kante wird aus einem Muschelkalksteinelement gebildet. Unter einer kleinen Schattenfuge auf dem Niveau des Rasens verbirgt sich die Beleuchtung der Rasenfläche. Die Natursteinkante lädt zum Sitzen an der Rasenfläche ein. Zwischen dem Baumkarree des Marienhofes und dem Rathaus spannt sich eine große gepflasterte Platzfläche auf, die Raum für Veranstaltungen am und um das Rathaus bietet. Auf der südwestlichen Platzfläche erhält der Ratskeller die Möglichkeit der Außengastronomie in den Sommermonaten.



Sperrengeschoss


Baumdach und Rasenfläche bilden einen Kontrast zur unterirdischen Technik des U- und S-Bahnhaltepunktes Marienplatz. Natürliches Licht und ein Schattenspiel mit den Blättern des Baumdaches empfangen den Besucher beim Ausstieg aus den Untergeschossen. Eine mit Licht inszenierte Wand spannt sich in west-östlicher Richtung zwischen den beiden neuen S-Bahnaufgängen und den umgebauten U-Bahn Eingängen im Sperrengeschoss auf. Mit ihrer starken Leuchtkraft bietet sie Orientierung in dem Untergeschoss und weist den Weg zum Ausstieg. Eine Lichtinszenierung der Treppenabgänge lässt die Schnittstelle zwischen oben und unten signifikant erlebbar werden und wirkt Richtung weisend auf dem Marienhof. Die inszenierten Aufgänge aus dem Sperrengeschoss bilden einen modernen, starken Kontrast zu der ruhigen und zurückhaltenden Gestaltung des Marienhofes.



Lichtkonzept


Das Baumkarree wird zur Lichtkuppel im Stadtraum. Beleuchtungselemente in der Natursteineinfassung entlang der Rasenfläche leuchten die Rasenfläche bei Nacht aus. Mastleuchten an der Landschaftsstraße am Rathaus beleuchten die Außengastronomie und die Veranstaltungsfläche. Die Beleuchtung der U- und S-Bahn Ausgänge dient als Signalwirkung, markiert die Eingänge weithin sichtbar und gibt Orientierung.



Verkehrskonzept

Die Straßenräume um den Marienhof werden als Fußgängerzonen oder verkehrsberuhigte Bereiche niveaugleich ausgebildet. Der Vorschlag einer verkehrsberuhigten Dienerstraße wird aufgegriffen. Unterschiedliche Belagsarten zonieren den Straßenraum und definieren Nutzungsbereiche. Robuste Stein und Natursteinbeläge bilden den Oberflächenbelag der hochgenutzen Verkehrsflächen.
Der Radweg der übergeordneten Radwegeverbindung durch die Dienerstraße wird in der Gestaltung des Bodenbelags aufgegriffen und durch eine andere Materialverwendung farblich abgesetzt. 250 Fahrradabstellplätze finden sich im Bereich der Veranstaltungsfläche an den südlichen U-Bahn Ein- und Ausgängen.



Wirtschaftlichkeit


Die robuste und einfache Grundstruktur erlaubt es, mit minimalen Mitteln eine hochwertige Neugestaltung des Marienhofs herzustellen. Eine große Aufenthaltsqualität wird in der Innenstadt geschaffen. Wenige hochwertige Details und eine hochwertige Materialverwendung geben dem Ort eine der Münchner Innenstadt angemessenen Noblesse. Dabei wird auf zeitlose Materialien und eine klassische Formensprache gesetzt. Der Marienhof besticht durch seine schlichte, zeitlose Eleganz in dem ihn umgebenden quirligen Stadtraum.

Entscheidung:
06-2006

Ort:
München (D)

Verfahren:
Beschränkter Wettbewerb

Teilnehmer:
Architekten, Landschaftsarchitekten

Auslober:
Landeshauptstadt München

In Arbeitsgemeinschaft mit:
bbz landschaftsarchitekten - Berlin