1. Preis
Neugestaltung Harras - München

Abbildung
Liegebänke auf dem Harras
Abbildung
Buntes Markttreiben und Brunnen
Abbildung
Modell - Blick von Süden
Abbildung
Konzept - städtebauliche Einbindung
Abbildung
Referenz Brunnen
Abbildung
Referenz Mosaiksteinpflaster
Abbildung
Referenz Holzbank
Abbildung
Schnitt a-a
Abbildung
Schnitt b-b
Abbildung
Variante Liegebank
Abbildung
Variante Marktstände
Abbildung
Verkehrskonzept
Abbildung
Lichtkonzept
Abbildung
Brunnen Aufsicht
Abbildung
Schnitt Brunnen
Abbildung
Liegebank Aufsicht und Ansicht
Abbildung
Ansicht Marktstand
Konzeption - Städtebauliche Einbindung

Ziel des Entwurfs ist eine Neugestaltung des Harras, die einen attraktiven Quartiersplatz mit hoher Aufenthaltsqualität für die Anwohner schaffen soll. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der bestehende Kreisverkehr durch einen dreiarmigen Knotenpunkt im südlichen Bereich des Harras ersetzt. Der Harras wird so in zwei Bereiche gegliedert, eine großzügige Platzfläche vor den gründerzeitlichen Fassaden der Nordseite und einen Vorplatz für das denkmalgeschützte Postgebäude auf der Südseite. Die neue großzügige Platzfläche auf der Nordseite unterstreicht die wichtige fußläufige Beziehung zwischen S-Bahn in der Albert-Roßhaupter-Straße und dem Zentrum Sendlings in der nördlichen Plinganserstraße. Hier entsteht der neue attraktive Quartiersplatz am Harras, auf den die Bewohner Sendlings so lange verzichten mussten. Ein Ort, an dem man unter Bäumen verweilen und in der Sonne sitzen kann, mit einem fest installierten Ökomarkt und weiteren temporäre Veranstaltungen, wie z.B. einem Weihnachtsmarkt.
Der Harras wird zum lebendigen und aktiven Zentrum Sendlings.



Freiraumkonzept

Der Harras wird durch einen lichten Baumhain der vorhandenen Platanen und punktuellen Ergänzungen geprägt, sie verleihen der großzügigen Platzfläche durch ihr lichtes malerisches Baumdach ein südländisches Flair. Die Platanen werden sukzessive (von heute z.T. 3.5m auf 6m Kronenansatzhöhe) aufgeastet, um die visuellen Sichtbezüge und die Orientierung zu verbessern. Sie markieren die räumlich einheitlichen, leicht aufgekanteten zentralen Platzflächen. Der Harras wird zu einem großen modernen grünen Stadtplatz. Eine freie und offene Gestaltung unter dem lichten Gründach lässt die wichtigen räumlichen Beziehungen erlebbar werden und schafft die visuellen Verbindungen zwischen den funktional bedeutenden Einrichtungen und Teilorten des Gesamtraumes.
Das wechselvolle Licht- und Schattenspiel wirft eine sich stetig verändernde Textur auf die Platzflächen. Dank einer zurückhaltenden Möblierung können unter den Bäumen sämtliche Aktivitäten stattfinden, die auf dem neuen Harras wünsch- und denkbar sind.



Platzgestaltung

Die Raumkanten des Harras werden durch die geschlossenen Fassaden der umliegenden Gebäude gebildet. Eine in sich ruhende nach außen und innen offene urbane Platzfläche entsteht. Die Platzfläche spannt sich vom Radiolaeck im Norden bis zur Fassade des Postamtes im Süden auf. Die beiden Platzflächen sind mit Intarsien aus einem einheitlichen Belag aus Grauwackemosaik gestaltet und verbinden die drei Teilbereiche Radiolaeck, Harras und Vorplatz Postamt visuell über den Straßenraum hinweg. Die Intarsien setzten sich farblich leicht von einem einheitlichen Plattenbelag entlang der angrenzenden Bebauung und der Bürgersteige ab. Die Platzflächen des Harras sind gegenüber den angrenzenden Straßenräumen um 12 cm erhöht in Bereichen von Fußgängerquerungen und Überfahrungen senkt sich der Belag auf 3 cm gegenüber dem angrenzenden Straßenniveau ab. Die topografische Kante der Platzflächen wird aus dem Plattenbelag der Bürgersteige gebildet. Die Baumscheiben gliedern und strukturieren den einheitlichen auf die Entfernung zu einem homogenen Belag verschmelzenden Platzbelag der Mosaikfläche. Das feine Spiel der in warmen Grautönen unterschiedlich changierenden Mosaikfläche schafft eine besondere Charakteristik der Platzfläche mit hohem Aufenthaltswert.
Neben dem lichten Baumdach bleibt der Platz frei von weiteren gliedernden Elementen. Einzig die großen Bankelemente und der Harras-Brunnen entfalten eine bewegungsführende und lenkende Wirkung.
Auf der zentralen Platzfläche bilden zwei besondere Sitzelelemente und der Harras-Brunnen, ebenfalls mit Sitzrandeinfassung einen räumlichen Schwerpunkt zwischen der großzügigen Veranstaltungsfläche um den U-Bahn Eingang und der den gründerzeitlichen Fassaden Vorgelagerten Geschäftszone mit Außengastronomie. Die Sitzelemente sind großzügig als Aufenthaltsort in Holz gestaltet. Der Harras-Brunnen setzt einen klaren Akzent auf der Platzfläche. Mit seiner hölzernen Sitzrandeinfassung dient er als Wasserspiegel der das Bild der Wolken und den lichten Schattenwurf der Platanen einfängt. Die Säulenhalle des Baumhains ist auf Aughöhe des Betrachters ein offener großzügiger Raum mit einer eigenen Aufenthaltsqualität, darüber hinaus werden die Wege- und Sichtbeziehungen zwischen den wichtigen Funktionsräumen klar erkennbar, eine gute und direkte Verbindungsmöglichkeit zwischen diesen wird herstellt. Im lichten Schatten der Bäume lässt sich hier im Sommer verweilen, flanieren und spazieren. Durch die zurückhaltende Möblierung können auf der Veranstaltungsfläche unter den Bäumen sämtliche Aktivitäten stattfinden, die auf dem neuen Harras wünsch- und denkbar sind. Im Boden versenkbare Mediensäulen, bieten die nötigen Medienanschlüsse für Veranstaltungen.
Am nördlichen Rand, in der Vorzone der Ladengeschäfte, befinden sich Außengastronomie und Cafés, die den Harras in den Sommermonaten zusätzlich beleben.
Die Anlieferung der Ladengeschäfte sowie die Hofzufahrten erfolgt über eine Hof- und Anlieferzufahrt parallel der Geschäftszeile entlang der nördlichen Platzfassade.
Sitzbänke am Radiolaeck und dem Vorplatz des Postamtes schaffen Aufenthaltsqualität und gliedern die Platzränder. Auf der Platzfläche Postamt befindet sich ein Taxistand. Das Postgebäude mit seinem markanten Rondell, welches die Ecke Plinganserstraße - Albert-Roßhaupter-Straße betont, erhält dort die Möglichkeit einer Außengastronomie, die diese Platzseite belebt.



Der Harras als Marktplatz

Drei Doppelmarkstände in der Gestaltsprache des Harrasbrunnens besetzen alternativ die Zwischenzone zwischen der großzügigen Platzfläche um den U-Bahn Eingang und der den gründerzeitlichen Fassaden Vorgelagerten Geschäftszone mit Außengastronomie. Zentral auf dem Platz von allen Seiten nutzbar und bedienbar bilden sie das geschäftige Zentrum des Platzes. Die für den Marktebetrieb wichtigen Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen sind in zwei niveaugleichen unterflur Müllcontainern den Marktständen vorgelagert, nicht sichtbar untergebracht und werden nur partiell zum Befüllen und Abtransport hochgefahren. Die Belieferung der Marktstände erfolgt ebenfalls über die Hof- und Anlieferungszufahrt der Ladengeschäfte parallel der nördlichen Platzfassade.



Harras-Produktfamilie

Der Harras-Brunnen, die 16 Meter langen Sitzelemente und die Marktstände sind Teil einer eigens für den Harras entwickelten Produktfamilie. Durchgängiges Gestaltungskonzept hierbei ist das Material Holz. Ein warmes Material, das gut mit dem Grauwackemosaik und den Platanen harmoniert. Ein Material, das auch in der kühleren Jahreszeit gut als Sitzfläche für Bänke und Brunnen funktionieren wird.
Die vorgeschlagene Holzlattung von 40mm x 60 mm kommt sowohl als Sitzfläche, als auch als vorgehängte Fassade für die Marktstände zum Einsatz. Die haptische, feine Strukturierung der Flächen besitzt eine elegante, warme Ausstrahlung. Aufgrund der starken Beanspruchung durch Bewitterung wird abgelagerte deutsche Eiche eingesetzt. Eine Ausführung in thermisch behandeltem Holz ist ebenfalls denkbar.
Die Harras-Produktfamilie gewährleistet ein einheitliches und elegantes Erscheinungsbild, eine hohe gestalterische Detailausbildung der wenigen Sonderelemente des neuen Quartiersplatzes und hat zudem eine starke Identitätsstiftende Wirkung.



Lichtkonzept Platzfläche

Tagsüber Sitzelement, Brunnen oder Marktstand, werden die Elemente der Harras-Produktfamilie nachts zu Leuchtobjekten. Hinter der Holzlattung verborgene Leuchtmittel bringen die Objekte selber zum Leuchten, so bleibt die Aufenthaltsqualität auch in lauen Sommernächten gewährleistet.
Die Beleuchtung der zentralen Sitzelemente, des Harras-Brunnens und der U-Bahn Eingänge haben Signalwirkung im Platzraum und markieren den zentralen Platzbereich weithin sichtbar.
Das Baumdach des Harras wird zur Lichtkuppel im Stadtraum. Bodenstrahler beleuchten die Baumkronen vom Boden her. Die Raumkante der gründerzeitlichen Fassaden wird durch eine Fassadenbeleuchtung inszeniert und beleuchtet indirekt die Platzfläche. Die Grundbeleuchtung der Straßen und Platzräume wird durch die vorhandene Straßenraumbeleuchtung abgedeckt.



Verkehrskonzept

Bus und MIV
Die Verkehrsführung auf dem Harras wird in einem dreiarmigen Knotenpunkt mit Lichtsignalregelung zusammengefasst. Dadurch wird die heutige unübersichtliche Situation mit der Auflösung in verschiedene Teilknoten vereinfacht und räumlich konzentriert. Wegen der dominierenden Verkehrsbeziehung zwischen Albert-Roßhaupter-Straße und der nördlichen Plinganser Straße bei gleichzeitiger Verschiebung des Knotenpunkts in den süd-östlichen Bereich des Harras ergibt sich notwendigerweise die Führung des Hauptstroms als Linksabbieger in Richtung Nord und als Rechtabbieger in Richtung West. Durch die starken Ströme in Spitzenzeiten sind hier jeweils zwei Abbiegefahrstreifen eingeplant, der Knoten wird zu Spitzenzeiten voll ausgelastet. Die Verkehrsqualität für den motorisierten Individualverkehr entspricht der heutigen Verkehrslage am Platz.

Fußgänger
Für Fußgänger verbessert sich die Lage deutlich. Die neue großzügige Platzfläche ermöglicht, einen einfachen, direkten Zugang zur U-Bahn, ohne den Autoverkehr kreuzen zu müssen. Die wenigen, benötigten Überwege für Fußgänger am Knoten sind so kurz wie möglich angelegt und kompakt zusammengefasst. Sie verbinden unmittelbar die Haltebereiche der Busse mit dem U-Bahneingang. Den Wettbewerbsvorgaben entsprechend wurden Haltestellenkaps vorgesehen, die Busse halten somit auf dem durchgehenden Fahrstreifen kurzfristig für den Fahrgastwechsel jeweils hinter dem Knotenpunkt.

Radfahrer

Die Führung der Radfahrer erfolgt über Radfahrstreifen auf der Fahrbahn zur besseren Sichtbarkeit für den Fahrzeugverkehr (Vermeidung des Rechtabbiegerkonflikts) und zur Minimierung des Verkehrsflächenbedarfs insgesamt. Für links abbiegende Radfahrer werden Wartebereiche an den Fußgängerfurten vorgesehen zur gemeinsamen Führung mit den Fußgängern. Stellplätze, U-Bahnausgänge, Fahrradstellplätze, Bushaltestellen, Verkehrsführung, Querung der Straßenräume, Fahrradständer befinden sich dezentral an den beiden U-Bahneingängen, Dem Radiolaeck und dem Platz an der Plinganserstraße.



Wirtschaftlichkeit

Die robuste und einfache Grundstruktur erlaubt es, mit minimalen Mitteln eine hochwertige Neugestaltung des Harras herzustellen. Eine große Aufenthaltsqualität wird auf dem Harras geschaffen und gleichzeitig die Übersichtlichkeit und Bewegungsfreiheit erhöht. Wenige hochwertige Details und eine hochwertige Materialverwendung geben dem Ort eine angemessene Noblesse innerhalb Sendlings. Dabei wird auf zeitlose und einfache Materialien wie Naturstein und eine klassische Formensprache gesetzt. Der Harras besticht durch seine schlichte, zeitlose Eleganz in dem ihn umgebenden lebendigen Stadtraum.

Entscheidung:
02-2008

Ort:
München (D)

Verfahren:
Beschränkter Wettbewerb

Teilnehmer:
Architekten, Verkehrsplaner

Auslober:
Landeshauptstadt München

In Arbeitsgemeinschaft mit:
VIA beratende Ingenieure - Berlin

Fachplaner:
bbz landschaftsarchitekten - Berlin