2. Preis  
Neubau Gewerbehof Nord - München

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Winterstimmung


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Lageplan


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Grundrisse / Ansichten


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Ansichten


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50stel


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Schwarzplan


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Erschliessung


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Isometrie Tragwerk / Hülle


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Material Holz / Nachhaltigkeit


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Modell


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Modell


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Modell

Städtebauliche Gesamtkonzeption
Der Gewerbehof ist als straßenbegleitender Gebäuderiegel konzipiert, der das heterogene städtebauliche Umfeld zu den südlich gelegenen Gleisanlagen begrenzt. Als Auftakt zum Gewerbegebiet vermittelt das Gebäude zwischen den benachbarten Wohn- und Gewerbenutzungen. Einerseits orientiert sich der Gewerbehof mit seiner Putzfassade an der benachbarten Wohnbebauung, andererseits gibt er sich in seiner konsequent funktional begründeten Gebäudeform als Gewerbebau zu erkennen.
Der Gewerbehof ist von der Wilhelmine-Reichard-Straße um ca. 6 Meter zurückversetzt. Durch den Rückversatz wird eine Umfahrung des Gebäudes geschaffen und - entsprechend den Vorgaben des B-Plans - die Ausbildung von vier gleichartigen Vollgeschossen ermöglicht. Die Gliederung in Sockelzone und Obergeschosszone erzeugt dabei ein maßstäbliches Erscheinungsbild im Stadtraum.
Die Sockelzone hat mit seiner offenen Wirkung eine gute Orientierung zur Wilhelmine-Reichard-Straße. Die Fensterbänder der Obergeschosse, die in unterschiedlicher Größe den Baukörper umspielen, schaffen eine lebendige Fassadengliederung und verdeutlichen die variierenden Nutzungseinheiten im Innern des Gebäudes.
Als klar geschnittener Riegel hat der Gewerbehof ein kompaktes Bauvolumen und ein gutes A/V-Verhältnis.


Erschließung
Für die fußläufige Erschließung des Gewerbehofs stehen zur Wilhelmine-Reichard-Straße drei übersichtlich angeordnete Haupteingänge zur Verfügung, die jeweils über einen Durchgang zum Hof verfügen. Die Erschließung des Gewerbehofs mit Fahrzeugen erfolgt im Westen des Grundstücks, wo der Abstand zum Kreuzungsbereich der Schittgablerstraße ausreichend gewahrt ist.
Die Zufahrten und Ausfahrten des Gewerbehofs sind kompakt organisiert. Tiefgaragen-Parker zweigen unmittelbar an der Einfahrt zum Grundstück ab und vermindern das Verkehrsaufkommen auf dem Hof. Die Tiefgaragenrampe ist wettergeschützt unter dem Gebäude positioniert. Eine Umfahrung des Gebäudes ist als Einbahnstraßenverkehr für PKW und kleine Transporter konzipiert, um die Anlieferung und den Kundenverkehr für die nach Norden ausgerichteten Gewerbeeinheiten zu gewährleisten. Ein Schrankensystem organisiert die 3 Ausfahrten des Gewerbehofs (Hofausfahrt, Tiefgarage und Gebäudeumfahrung).
Mitarbeiter können das Gebäude unmittelbar über die Tiefgarage betreten. Besucher werden vornehmlich von den Besucherstellplätzen kommend die Haupteingänge auf der Hofseite nutzen. 24 Kunden- und 10 LKW Stellplätze werden oberirdisch am südlichen Hofabschluss angeboten. Eine 18m tiefe Fläche vor den Müllcontainern ist freigehalten.
Anliefern, Rangieren und Wenden auf dem übersichtlichen Hof ist problemlos möglich. Die Anlieferungen der Erdgeschosseinheiten und die Anlieferungen an den Lastenaufzügen behindern sich nicht. Die Vorfahrt der Feuerwehr mit Hubrettungsfahrzeugen ist rings um das Gebäude gewährleistet. Fahrradabstellmöglichkeiten befinden sich an den 3 Zugängen, sowie überdacht neben den Stellplätzen.


Gebäudestruktur
Das Gebäude ist in drei Brandabschnitte mit jeweils einem Treppenhaus und Lastenaufzug gegliedert. Der mittlere Abschnitt verfügt zusätzlich über einen Personenaufzug. Jeder Abschnitt wird im Erdgeschoss über Zugänge von Straße und Hof erschlossen und bietet in den Obergeschossen je einen Pausenbalkon (Raucher- bzw. Nichtraucherbalkon). Leicht auffindbar in Gebäudemitte ist ein Kombiaufzug (Lasten und Personen) angeordnet, und ebenso sind hier die gemeinschaftlichen Einrichtungen zu finden: Müllraum, Hausmeister und Konferenz.
Die Medienversorgung erfolgt in jedem Gebäudeabschnitt über einen vertikalen Schacht. Die Unterverteilung in die Gewerbeeinheiten verläuft in einer im Flur angeordneten Abhangdecke. Pro Geschoss können 24 WC Einheiten eingerichtet werden. Alle Geschosse werden barrierefrei erschlossen.


Flexibilität und Größe der Gewerbeeinheiten
Die Größen der Gewerbeeinheiten reichen von 45qm bis 340qm. Durch Zusammenschaltung der Einheiten wird ein sehr variables Angebot an Raumgrößen geschaffen. (45qm - 70qm - 90qm - 125qm - 135qm - 170qm - 180qm - 225qm – 250qm – 300qm – 340qm)


Freianlagen
Die befahrbaren Bereiche des Gewerbehofs werden mit einem hell abgestreuten Asphalt versehen. Die von der Straße zu den Haupteingängen führenden Fußgängerwege erhalten großformatige Betonplatten. Die Grundstücksränder werden mit Rasen begrünt. In Bereichen von Feuerwehraufstellflächen kommt Schotterrasen zum Einsatz. Unterirdisch werden Rigolen zur Entwässerung des aufgefangenen Regenwassers installiert. Einheimische Laubbäume schaffen einen harmonischen Übergang zwischen Gebäude und Umgebung.


Gestaltung
Es kommen werthaltige Materialien zum Einsatz, die ein langlebiges Erscheinungsbild und einen geringen Pflegeaufwand gewährleisten. Die Oberflächen aller Baumaterialien werden zumeist natürlich belassen.
Der Sockel des Gebäudes erhält eine Fassade aus anthrazit eingefärbtem glattem Beton. Erdgeschossöffnungenwerden mit dunklen Aluminiumfensterelementen fassadenbündig ausgebildet. Die wettergeschützten Raumtaschen der Eingänge werden mit Massivholzbekleidungen gefasst. Das Obergeschoss erhält eine Fassade aus gefärbtem mineralischem Kratzputz. In ihr sind Fensterbänder variierender Größe eingeschnitten, die mit breiten Metallrahmen gefasst sind (Edelstahl oder verzinkter Stahl mit Duplex Beschichtung Klasse 3). Die Rahmen ragen leicht aus der Putzoberfläche heraus. Mechanisch bediente Vertikalmarkisen und Lüftungskanäle zur Raumbelüftung sind in die Rahmen integriert. Die Fenster innerhalb der Rahmen werden als zweiflügelige Aluminiumfenster ausgeführt. Blindpaneele vor Fassadenstützen sind rückseitig emailliert, so dass die opaken Flächen von den Fenstern in ihrer Außenwirkung kaum zu unterscheiden sind. Treppenhäuser und Deckenuntersichten werden in Sichtbeton ausgeführt, Wände und Flure werden weiß gestrichen. Farbakzente werden in den Sanitärkernen, an Türen und an Innenverglasungen gesetzt. Mittelflure werden über die Balkoneinschnitte und über Treppenhausoberlichter natürlich belichtet.


Konstruktion und Nachhaltigkeit
Das Gebäude wird als Stahlbetonbau erstellt. Im Erdgeschoss wird eine Stahlbeton-Vorsatzschale mit Kerndämmung vorgesehen. In den Obergeschossen kommt als Außenhaut ein Wärmedämmverbundsystem zum Einsatz. Es ist möglich, Dach und Fassade des Gewerbehofs mit einem hohen Holzanteil auszuführen, um die CO2-Bilanz des Gebäudes signifikant zu verbessern.
Holzoberflächen bleiben nach Innen sichtbar und dienen so einer besonderen Raumwirkung.


Energetisches Konzept
Der Gewerbehof verfügt über eine hoch gedämmte Gebäudehülle und erfüllt die Anforderungen der EnEV 2014. Über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sollen regenerative Energien erzeugt werden, die für den Betrieb von Aufzügen und Beleuchtungen verwendet werden. Mieter können über einen zweiten Stromzähler ebenfalls an den Stromerträgen partizipieren. Durch hohen Eigenverbrauch soll eine kostenintensive Stromspeicherung minimiert, bzw. komplett vermieden werden.
In den Gewerbeeinheiten werden Auslässe zum Anschluss von Lüftungsgeräten standardmäßig an den Außenwänden im Sturzbereich vorgesehen. Dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung können den Mietern optional angeboten werden (z.B. Leasing). Die Mieter profitieren so von einem gleichmäßigen Raumklima und sehr geringen Heizkosten. Die Gesamtenergiebilanz des Gebäudes wird dadurch maßgeblich verbessert, ohne dass ein kostenintensives zentrales Lüftungsverteilnetz installiert werden muss. Die Wartung der dezentralen Lüftungsgeräte wird von den Mietern der Gewerbeeinheiten durchgeführt.


Schallschutz
Die massiven Teile der Fassade, sowohl Beton wie Massivholz, gewährleisten einen sehr guten Schallschutz. Die Schallschutzklasse der Fenster ist abhängig von der geplanten Nutzung und den anliegenden Schallemissionen. Die Schallschutzanforderungen und gleichzeitig der geforderte Luftwechsel kann bei geschlossenen Fenstern die dezentralen Lüftungsgeräte mit WRG problemlos eingehalten werden. In Bereichen mit besonderer Außenschallbelastung können die Fenster als schalldämmendes hinterlüftetes Kastenfenster ausgebildet werden.


Brandschutz
Der Baukörper mit einer Länge von 130m wird in 3 Brandabschnitte von 43m, 44m und 43m Länge unterteilt. Die Überschreitung der maximalen Länge von 40m nach BayBO kann aufgrund der geringen Breite von nur ca. 27m statt der zulässigen 40m verantwortet werden. Aufgrund der gegebenen Anleiterbarkeit aller Gewerbeeinheiten, auch auf der Nordseite, kann auf Sicherheitstreppenhäuser mit vorgelagerter Sicherheitsschleuse verzichtet werden. Die max. Fluchtweglänge von 35m nach MBO und Arbeitsstättenrichtlinien (ASR) wird für jede einzelne Gewerbeeinheit eingehalten. WDVS Holzfaserdämmung in Kombination mit Holzmassiv (nichttragend) mit ABP F90 (feuerbeständig) übererfüllt die Anforderungen F30 (feuerhemmend) der BayBO, Art. 26, Absatz 2. Treppenhäuser werden mit RWA-Klappen über Dach ausgestattet. Keine Gewerbeeinheit ist größer als 400 m². Die extensive Dachbegrünung wird als harte Bedachung ausgeführt. Die Tiefgarage erhält eine automatische Löschanlage nach GaStellV (3450 m² BGF größer als Richtwert von 2500 m²).


Tiefgarage
Die Tiefgarage 138 Stellplätze für KFZ und ca. 20 Motorrad Stellplätze. Die Tiefgarage ist als Einbahnstraßenverkehr mit Stellplätzen im 50° Winkel konzipiert. Die Sichere Befahrbarkeit der Rampe ist durch die wettergeschützte Lage unter dem Gebäude zu jeder Jahreszeit gewährleistet. Die Durchfahrtshöhe beträgt 2,6m (geeignet für Kleinlaster). Die Tiefgarage hat mit 26m² / Stellplatz ein sehr gutes Flächen-Stellplatz –Verhältnis, bietet komfortables Einparken und eine gute Übersichtlichkeit. Die Rettungswege zu Rampe oder Gebäudezugängen liegen unter 30m. Die Tiefgarage wird natürlich belüftet.

Entscheidung:
11 - 2013

Ort:
München (D)

Verfahren:
EU-weiter, nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb

Teilnehmer:
Architekten / Landschaftsarchitekten

Auslober:
MGH – Münchner Gewerbehofund Technologiezentrumsgesellschaft mbH

Arbeitsgemeinschaft mit:
UTArchitects - Berlin


Fachplaner:
Planorama Landschatsarchitekten - Berlin
Pichler Ingenieure - Berlin (Tragwerksplanung)
Hoffmann-Leichter Ingenieure - Berlin (Verkehrsplanung)