5. Rang  
Neue Stadtmitte - Remseck am Neckar

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Blick auf das Nordufer
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Blick auf das Südufer
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Masterplan
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Lupe Neckarbereich
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Vogelperspektive von Süden
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Gegenüber am Neckar
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Vogelperspektive von Norden
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Blick von Süden
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Neckar Loop
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Nutzungen
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Verkehr
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Grünräume
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Bauabschnitte
Neckar Loop – Neue Mitte am Neckar
Die besondere Herausforderung der Entwurfsaufgabe ist es, eine neue Mitte für sechs verschiedene Ortsteile zu schaffen. Diese Mitte kann nicht in einem der Ortsteile liegen, sondern muss an einem für alle Ortsteile gemeinsamen Genius Loci verortet werden. Am Wasser, am Neckar, am Remseck.Der Strom des Neckar, der das Wettbewerbsgebiet kreuzt, verhält sich ambivalent. Er trennt beide Uferseiten, um sie gleichzeitig über phantastische Blickbeziehungen wieder miteinander zu vereinen.Diese beiden Uferseiten, verbunden über die bestehende Fußgängerbrücke am Remseck und eine neue Fußgängerbrücke am neuen Grünzug bilden das Rückgrat der Neuen Mitte am Neckar. Eine Neue Mitte, die kein einzelner Ort sein will, sondern vielmehr ein Rundweg ist, der Neckar Loop, an dem sich die Menschen Remsecks begegnen und der alle Orte Remsecks mit ihren unterschiedlichen Qualitäten in Beziehung setzt: Wochenmarkt am Rathaus, Anlegestelle an der Südpromenade, Wegebeziehungen von Strassenbahnstation über neue Brücke zur Bibliothek, Entspannen an der Uferböschung, oder Lesen auf der steinernen Quaimauer der Promenade wie in Paris.


Cluster – Mix aus Wohn- und öffentlichen Bauten
Ziel des Entwurfs ist es, die öffentlichen Funktionen und das Wohnen miteinander zu vermischen, bei gleichzeitiger Wahrung der nötigen Distanz. Das Ergebnis ist die Entwicklung von multifunktionalen, variablen Clustern, die hochwertigen Geschosswohnungsbau mit öffentlichen Funktionen und Handel kombinieren.Die beiden nördlich und südlich des Neckars gelegenen Cluster haben aufgrund Ihrer zentralen Lage am Neckar eine Sonderposition. Hier bilden auf der Nordseite das neue Rathaus  und auf der Südseite die neue Bibliothek die öffentlichen Anker. Daran angeschlossen wird jeweils ein Einkaufszentrum, das den Handel in die neue Mitte bringt und zusätzliche Magnetfunktion übernimmt. Eine 2 ½ bis 3 ½ geschossige Wohnanlage ebenfalls mit attraktiver Aussicht auf den Neckar erzeugt die gewünschte funktionale Durchmischung.Zwei weitere kleinere Cluster entwickeln sich nach Norden hin. Vorgesehen sind hier öffentliche Funktionen, die auch etwas dezentral angeboten werden können, wie das Begegnungszentrum, eine Kindertagesstätte, oder  ein Jugendclub.  Handel ist hier nicht mehr, bzw. nur als Ausnahme vorgesehen.


Blue Mobility – Autofreies und nachhaltiges Quartier
Die geplante städtebauliche Neuordnung stellt für Remseck nicht nur hinsichtlich ihrer neuen Identität eine enorme Chance dar. Vielmehr besteht auch die Möglichkeit, die aktuelle Verkehrserschließung mit ihren Defiziten umzubauen, neu zu ordnen und für die Bewohner attraktive nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Folgende Ziele werden definiert:

Verkehr
Verlegung der Landesstrasse L1140 nach Westen (wie Planfeststellung) mit neuer 4-spuriger Neckarquerung. Die bestehende Neckarbrücke wird für den Individualverkehr gesperrt und zur Mischverkehrsfläche für Bus, Fahrräder und Fußgänger umgebaut. Der Bereich der Cluster wird komplett Autofrei konzipiert. Die Erschließung erfolgt über die zum Boulevard umgebaute Remstalstraße , bzw. die neue Erschließungsstraße zwischen dem Grünzug und Clustern und als Mischverkehrsflächen ausgestalteten Anliegerstraßen. Der ÖPNV (Stadtbahn U14 und Buslinien) wird mit der Verlegung des Busbahnhofes parallel zur Remstalstraße und der Straßenbahnhaltestelle nach Westen weitestgehend beibehalten, die Frequenz wird erhöht.

Parken
Anwohnerparken erfolgt als Parkraumbewirtschaftung von oberirdischen Parkplätzen. Am Rathaus- und am Bibliothekcenter sind Tiefgaragen angeordnet um eine ausreichende Anzahl Stellplätzen für Besucher und Kunden bereitzustellen.

Nachhaltigkeit Gebäude
Die konsequente Ausrichtung der Gebäude nach Süd-Süd-West ermöglicht hohe solare Gewinne. Kombiniert mit nur geringen energetischen Verlusten der kompakten Gebäude wegen ihrem gutem A/V Verhältnis bei einer hochgedämmten Gebäudehülle wird ein Energieüberschuß erreicht, der in Pufferspeichern für die Spitzenlasten bereitgestellt wird. Die Neubauten sind als Plusenergiebauten konzipiert. Angestrebt wird das DGNB Gütesiegel in Gold.


Freiraumkonzept
Die neue Neckarpromenade im Bereich zwischen der bestehenden Fußgängerbrücke am Remseck und der neuen Fußgängerbrücke am vorgesehenen Grünzug bringt die Stadt ans Wasser. Das nördliche Neckarufer bleibt in seinem naturnahen Charakter erhalten, die umgebende Natur fließt in die Stadt ein. Das südliche Ufer hingegen wird in diesem Abschnitt als urbane, steinerne Promenade mit Schiffsanlegestelle ausgebildet. Ein spannungsvolles Gegenüber der beiden Uferseiten entsteht.
Durch den Bau der  Fußgängerbrücke im Westen besteht in Zukunft die Möglichkeit den Neckar entkoppelt vom motorisierten Verkehr zu erleben.
Im Norden an die Promenade angrenzend bildet der  Rathausplatz als Marktplatz und als zentraler Ort des ÖPNV den Fokus in der neuen Mitte aus.
Das Gegenüber im Süden ist der  Remseckplatz zwischen dem neuen Kulturhaus und dem bestehenden Biergarten am Hechtkopf.  Das Kulturhaus mit Gemeindesaal liegt eingebettet in einem neuen Stadtgarten und  wird der Anziehungspunkt für kulturelle Veranstaltungen. Die „Remsterrassen“ akzentuieren durch eine großzügige Sitzstufenlandschaft die besondere Lage der Stadt am Zusammenfluss von Neckar und Rems.
Ein parkartiger Grünzug bietet den Anwohnern des neuen Stadtquartiers, als Puffer zur  Umgehungsstraße im Westen, Raum für kurze Spaziergänge, zum Laufen und zum Verweilen und stellt mit mehreren Sichtachsen Beziehungen zur Umgebung her, was die Offenheit der neuen Mitte zu den anderen Stadtteilen unterstreicht.
Im Süden wird der Uferweg entlang der Rems verlängert und im Bereich zwischen der Rems, Fellbacher Str. und Remstalstraße werden baufällige Gebäude zugunsten einer offeneren Struktur entfernt.
Im gesamten Planungsgebiet bleibt der Hochwasserschutz gewährleistet und auch eine barrierefreie Erschließung des Gebietes wird erreicht.


Bauabschnitte – flexible Realisierungsszenarien
Die Realisierung der neuen Mitte Remseck ist nur über einen längeren Zeitraum von 10-20 Jahren in Gänze umzusetzen. Umso wichtiger ist es, dass die ersten Pilotmaßnahmen zügig begonnen werden. Als erster Stadtbaustein der Gesamtmaßnahme sollte ein Bereich direkt am Neckar projektiert werden, um dem Alleinstellungsmerkmal von Remseck als Stadt am Wasser Rechnung zu tragen.

1. Bauabschnitt – Cluster Neckar-Nord
Rathaus und Rathauscenter werden zusammen mit ersten ca. 55 Wohneinheiten und den Freiflächen am Neckar entwickelt. So entsteht ein erster multifunktionaler Baustein der neuen Mitte und strahlt auf die übrigen Baufelder aus.

2. Bauabschnitt – Bereich Remseck
Nach Rückbau des bestehenden Rathauses wird hier das Kulturhauses mit Bürgersaal im neuen Park am Rems-Eck errichtet. Der Ort, der der Stadt Remseck seinen Namen gab, wird den Bürgern als neuer Treffpunkt zur Verfügung gestellt.

3. Bauabschnitt –Cluster Neckar-Süd
Bibliothek und Bibliothekcenter werden diagonal zum Rathaus hin angeordnet. Flankiert von weiteren 50 Wohneinheiten und der Neckarpromendade.

Weitere Bauabschnitte – Cluster Grüne Mitte
Das Begegnungszentrum und eine Kindertagesstätte entstehen am neuen Grünzug, zusammen mit ca. 35 zusätzlichen Wohneinheiten.

Weitere Bauabschnitte – Cluster Nordspitze
Ein markanter öffentlicher Baustein (Funktion noch offen) markiert das neue städtebauliche Areal ganz im Norden, begleitet von ca. 15 Wohneinheiten.

Neuer Grünzug
Der neue Grünzug wird sukzessive mit den angrenzenden Clustern realisiert.

Gelände Kies- und Zementwerk
Sollte das Gelände entgegen der aktuellen Erwartung doch zeitnah zur Verfügung stehen, so ist es auch denkbar, den 1. Bauabschnitt im Bereich des Cluster Neckar-Süd umzusetzten, wenn sich dadurch Vorteile für die Umsetzung der Gesamtmaßnahme ergeben. Rathaus und Bibliothek werden lediglich an getauschten Standorten realisiert.



Entscheidung:
09 - 2011

Ort:
Remseck (D)

Verfahren: Städtebauicher Ideenwettbewerb

Teilnehmer:
Architekten / Landschaftsarchitekten / Stadtplaner

Auslober:
Große Kreisstadt Remseck am Neckar

Arbeitsgemeinschaft mit:
hutterreimann + cejka Landschaftsarchitekten
Berlin, Wien