2. Rang / 3. Preis  
Bahnhof Planegg / Krailling

Perspektive Richtung Planegg Stadtmitte
Perspektive Richtung Planegg Stadtmitte
 

Städtebauliche Konzeption
Die städtebauliche Idee der Entwurfsverfasser besteht darin, die verschiedenen funktionalen Anforderungen in einem gestalterischen Gesamtkonzept zu erfüllen und keine additiven Einzellösungen vorzuschlagen. Das zentrale Ergebnis ist das „Neue Bahnhofsquartier Planegg“, ein Begegnungsraum für eine lebendige Stadt mit den folgenden 3 Funktionen:
Belebtes Mischgebiet mit neuen Funktionen wie Lebensmitteleinzelhandel , Gastronomie , Boarding House, Wohnen und Arbeiten
Attraktive Freianlagengestaltungmit neuem Bahnhofsvorplatz als Entree in die Ortsmitte und Quartiers- und Festplatz für Wochenmarkt und temporäre Veranstaltungen
Funktionaler, zentraler ÖPNV Umsteigebereich
Bahnhofsvorplatz mit guten Funktionen zwischen Fahrrad, Bus, Bahn und Auto

Sichtachse Bahnhofsvorplatz – Bahnhofstrasse
Das Freihalten und das Stärken der Sichtachse von Bahnhof zur Bahnhofstrasse stellt die Grundidee der vorgeschlagenen Planung dar. Um gleichzeitig den Bushaltebereich zentral in der Bahnhofstrasse zu organisieren, wird die Bahnhofstrasse auf ca. 37m aufgeweitet. Auf dieser großzügigen Fläche lassen sich die vielfältigen Funktionen und Verkehrsströme gut von einander trennen und organisieren.

Verkehrskonzeption
Der Kernbereich des „Neue Bahnhofsquartier Planegg“ wird komplett als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo 10km/h, bzw. Tempo 20km/h ausgebildet. Zusätzlich werden die Verkehrsbereiche entzerrt indem Bus und Individualverkehr zum Lebensmitteleinzelhandel von einander getrennt angeordnet werden. Während der Bushaltebereich in einer kompakten Anlage aus 2 Doppelhaltestellen nördlich der Bahnhofstrasse angeordnet wird, liegt die Zufahrt für oberirdische Parkgarage südlich der Bahnhofstrasse. Der Wendekreis (r15m) am Ende der Bahnhofstrasse wird somit lediglich von den Bussen und Taxis angefahren. Ferner erfolgt noch die Zufahrt zum Emeran-Braun-Gelände über die Bahnhofstrasse. Die Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer wird durch die Ausweisung der gesamten Fläche als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich enorm gestärkt. Auf Ausweisung von Rad- und Gehwegen kann verzichtet werden. Ein Taxistand mit 4 Stellplätzen befindet sich direkt vor dem Bahnhofszugang am Kreisel. 9 Kiss&Ride Stellplätze, sowie 9 Carsharing Stellplätze werden als Querparker am „Festplatz“ angeordnet.

Perspektive Richtung Bahnhof
Perspektive Richtung Bahnhof
 

Stadtbaustein Heide-VolmAm Standort der Veranstaltungshalle Heide-Volm wird der bedeutendste Baustein, der Lebensmitteleinzelhandel mit 1750 m² BGF positioniert. Der 2-geschossige Baukörper gliedert sich in den Markt mit Zugang von der Bahnhofstrasse und einem darüber liegenden Parkdeck . In einem 2. BA wird dieser Baustein um ein weiteres Parkdeck und das 2-geschossige Boarding House in Bügelform mit Dachterrasse ergänzt. Das Boarding House verfügt über einen Zugang mit vertikaler Erschließung von der Bahnhofstrasse und einen weiteren Zugang am Biergarten.

Stadtbaustein Nördliche Bahnhofstrasse
Dieser Baustein gliedert sich horizontal in die Ebene Bahnhofstrasse und die Ebene Höhenweg. Der Bahnhofstrasse zugeordnet werden Ersatzflächen für die heutigen Bahnhofsgebäude an der Unterführung, Kiosk, Tagescafé mit öffentlichem WC und der DB-Ticket-Service-Center angeordnet. Ergänzt wird dieser Baustein mit einer 2,5-geschossigen, reinen Wohnbebauung.

Stadtbaustein Fahrradparkhaus
Das Fahrradparkhaus mit 500 Stellplätzen als Doppelstockparker liegt ebenfalls direkt am Bahnhofseingang und verbindet diesen mit dem Höhenweg. Die Fassade ist aus Doppelstegplatten geplant, so kann Tags auf künstliche Beleuchtung verzichtet werden. Abends/Nachts wird das Fahrradparkhaus zu einem transluzenten Lichtobjekt. Am Kopf des Gebäudes wird eine Radstation mit Dienstleistungen rund um das Rad integriert.

Bahnhofsvorplatz und neuer Bahnhofszugang
Durch den Rückbau der bestehenden Bahnhofsgebäude kann die Länge der Unterführung signifikant verkürzt und wertvolle Fläche für den „Bahnhofsvorplatz“ gewonnen werden. Der Zugang zur Unterführung wird als großzügiges Portal mit auskragendem Dach ausgebildet, das vom Fahrradparkhaus bis zu hin zum Tagescafé und Kiosk spannt. Direkt über dem Portal befinden sich die „Bahnhofsterrassen“ als Aufweitung des Höhenweges mit spannenden Blickbeziehungen hinunter zum Bahnhofsvorplatz. Die Portalwand ist als polierte, anthrazitfarbene Sichtbetonwand mit eingelassener Leuchtschrift geplant. Dieser hell erleuchtete und wettergeschützte Bereich schafft eine gute Auffindbarkeit des Bahnhofzugangs, verhindert einen Angstraum und erhöht die Sicherheit für die Nutzer.

Bushaltebereiche
Die beiden Doppelhaltestellen erhalten je zwei 15m lange und 2m breite transparente Dächer. Modern im Erscheinungsbild und wirtschaftlich in Invest und Unterhalt stellen Sie eine dem Ort angemessene Lösung dar. Die darunter befindlichen Sitzbereiche sind sind mit 3-seitigen Windschutzelementen, Papierkörben und Infovitrinen versehen. Die Bussteige werden mit einem 18cm hohen Kasseler Bord versehen um einen barrierefreien Einstieg zu gewährleisten.

Nördliches Wohngebiet und Wohnen am Höhenweg
Die beiden Wohngebiete folgen dem gleichen Entwurfskonzept. Beide Wohnanlagen, bestehend aus 3, bzw. 4 Wohnungsbauten mit je 2½ Geschossen, erstrecken sich parallel zu den Gleisanlagen und dem Höhenweg und schützen den gemeinschaftlichen Hof vor den Emissionen der Bahn. Die 8m breiten Gebäudefugen dienen als Wege- und Blickbeziehungen zwischen öffentlichem und privatem Raum und werden zur Minderung der Bahnemissionen mit einer Schallschutzverglasung mit H= 4m vorgesehen. Der Winkelbau des Nördlichen Wohngebiet schließt den Innenhof zur Bahnhofstrasse ab und schafft hier die notwendige städtebauliche Raumkante. Der Winkelbau am Höhenweg begrenzt 3-geschossig den neuen Quartiersplatz und beherbergt im EG die neue Kita mit Ihren Freianlagen im Schall geschützten Innenhof. Denkbare Wohnformen wären z.B. Studentenwohnen und junge Familien im Norden. Am Höhenweg barrierefreies Wohnen kombiniert mit Generationenwohnen und der Kita.

Erschließung Wohnbebauung
Alle Wohngebäude werden über die Innenhöfe erschlossen und verfügen über einen 2m tiefen Vorgarten mit Hecke zum davor liegenden Höhenweg. Das EG der Wohngebäude wird als Hochparterre (ca. +65cm) mit barrierefreiem Zugang ausgebildet um auch diesen Wohnungen eine ausreichende Privatsphäre zu bieten. Ein direkter Zugang von den Treppenhäusern in die gemeinschaftlichen
Tiefgaragen ist ebenfalls möglich.

Grüne Innenhöfe Wohnbebauung
Die Lärm geschützten Innenhöfe werden gemeinschaftlich genutzt. Sie fungieren als Spielplatz für Kinder und Jugendliche und Begegnungsraum für die Erwachsenen. Freisitzen, Fahrradabstellbereiche und Müllstellplätze werden in Funktionsspangen zusammen gefasst. Zwischen diesen Funktionsspangen und den Gebäuden erstrecken sich großzügige, multifunktional nutzbare Freiflächen.

Modell
Modell
 

Schallschutz Wohnbebauung
Die Wohngebäude werden in Massivbauweise mit Wänden aus Stahlbeton oder KS (Rohdichte mind. 2.0) errichtet, die Fenster werden in Schallschutzklasse 5 ausgeführt. Alle Wohnungen werden als durchgesteckte Wohnungen konzipiert, die Schlafbereiche werden vorzugsweise zum ruhigen Innenhof hin orientiert. Auf der, den Gleisen zugewandten Seite, werden die Räume bei Bedarf mit einer
mechanischen Be- und Entlüftungsanlage versehen.

Erschütterungen Wohnbebauung
Ob Maßnahmen wegen Erschütterungen, bzw. sekundärem Luftschall notwendig sind, muss durch ein entsprechendes Erschütterungsgutachten geprüft werden. Bei einem Abstand von mehr als 10m ist dies aber nicht zwingend. Wenn notwendig, wird eine der folgenden Schwingungsminderungsmaßnahmen notwendig werden: Elastische Gebäudelagerung / Bohrpfahlgründung / Versteifung von Tragwerksdecken.

Tiefgaragen Wohnbebauung
Die zu realisierenden Stellplätze werden zu 100% in den jeweiligen gemeinschaftlichen Tiefgaragen nachgewiesen. Die Zufahrt erfolgt von der Gelmeringer Straße, bzw. vom Hackerberg. Auf oberirdische Stellplätze wird aufgrund der optimalen ÖPNV Anbindung und dem Fahrradparkhaus verzichtet.

Freiraumkonzept Bahnhofsvorplatz
Durch die neue Großzügigkeit und Entzerrung der Verkehrsbereiche ist es fortan möglich die nördliche Bahnhofstrasse als Shared Space auszuformulieren. Radfahrern und Fußgängern ist es nun möglich auf sicherem Wege den Umsteigepunkt am Bahnhof, sowie die angrenzenden Geschäftsbereiche zu erreichen.
Der angrenzende, zukünftige Festplatz und der Quartiersplatz an der neuen KiTa tragen zur Belebung des für Planegg und auch Krailling wichtigen Ortes in zentraler Lage bei. Der Quartiersplatz als intimerer Aufenthaltsort mit Bänken unter Kastanien dient als Rückzugs- und Verweilort in direkter Nähe der Geschäfts- und Wohnbereiche. Eine zukünftige Veranstaltungsfläche für Wochen- und Jahrmärkte stellt der neue großzügige Festplatz am Bahnhof dar. Die beiden belebten Platzbereiche sowie die nördliche Bahnhofstrasse, der Bahnhofsvorplatz bilden zukünftig den Auftakt zur insgesamt geschäftigen Bahnhofstrasse Planeggs.
Als wichtiger Treffpunkt im Ort stellt der Heide-Volm-Biergarten einen weiteren Anknüpfungspunkt dar. Die direkte Querung des Festplatzes vom Bahnhof bzw. die Verbindung auf kurzem Wege vom Höhenweg entlang des Quartiersplatzes rückt den Biergaren zukünftig mehr und mehr ins Zentrum. Der neue Zugang zum Biergarten westlich der Erschließungsstrasse wird hochwertig ausformuliert.
Der Bahnhofsvorplatz wird zum Scharnier der unterschiedlichen Verkehrsströme.
 
Phasierung
In der ersten Bauphase dienen Fest- und Quartiersplatz als exklusives Stellplatzangebot nur für Besucher des Heide-Volm-Biergartens. In der zweiten Phase, mit einem zusätzlichen dafür vorgesehenen Parkdeck im Parkhaus erübrigt sich die Stellplatznutzung und macht die qualitative Umnutzung/ Aufwertung der beiden neuen Plätze möglich. Der Fest- und Quartierplatz werden über einen Grundstückstausch mit dem Einzelhandel Heide-Volm ermöglicht.

Erschließung
Als übergeordneter Rad- und Fußweg quert der Höhenweg den Bahnhof Planegg/ Krailling. Südlich des Festplatzes im Bereich des Quartierplatzes, in direkter Nähe zum Fahrradparkhaus gelangen die Nutzer des Weges barrierefrei zur Bahnhofstraße. Über dem Bahnhofseingang kragt der Höhenweg als Terrasse mit Blick in die Bahnhofstraße aus.
Weiterhin macht eine neue Unterführung am Hackerberg die sichere Querung der Bahntrasse möglich. Um auch das Areal des Sprintergebäudes der Firma Emeran-Braun erreichen zu können, wird eine Erschließung über eine Rampe am Hackerberg erforderlich. Dies hat zur Folge, dass der Höhenweg barrierefrei an den Hackerberg angebunden werden kann.
Insgesamt wird im gesamten Planungsgebiet durchgehend die Barrierefreiheit gewährleistet.
Der großzügige Kreisel am Ende der Bahnhofstraße macht das Wenden für abfahrende Busse möglich, und dient gleichzeitig den zuliefernden LKW als Abbiegepunkt zum Emeran-Braun-Firmengelände. Die Anlieferung für den Lebensmittelmarkt erfolgt südlich der Bahnhofstrasse ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu behindern.

Oberflächen/ Materialien/ Beleuchtung
Ein einheitlicher Belag aus gestocktem Granit-Großsteinpflaster fasst die Freiräume der nördlichen Bahnhofstrasse / Bahnhofsvorplatz und des angrenzenden Festplatzes zusammen. Als gestocktes Material wird es heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit und guter Begehbarkeit gerecht. Im Bereich des Wendekreises wird aus Gründen der Schwerkräfte des Busverkehrs auf Asphalt zurück gegriffen. Um den Belag homogen an den Granitbelag anzugleichen und diesen damit zu verschmelzen wird ein gefärbter und aufgerauter Asphalt verwendet. Ein Tiefbord mit einem Abstich von 3cm im Strassenraum, ebenfalls aus Granit setzt die Fahrbahnen innerhalb des Shared Space leicht ab. Als einladende „Vorzone“ des Heide-Volm-Biergartens wird der neue Quartiersplatz in Tenne ausgebildet.
In den nördlichen und südlichen Bereichen der angrenzenden Wohnquartiere bestehen die Erschließungswege aus ebenfalls hochwertigem, aber kostengünstigerem Werkstein mit Natursteinvorsatz.
An den wichtigen Aufenthaltsbereichen, auf dem Festplatz, dem neuen Quartiersplatz, dem Bahnhofsvorplatz sowie vor dem Lebensmitteleinzelhandel/ Boarding House laden großzügige Sitzbänke mit Holzauflage zum Verweilen ein. Die Beleuchtung des öffentlichen Strassenraumes übernehmen schlichte Lichtstelen, die durchgängig im Strassenraum platziert werden. Abfallbehälter werden an den Aufenthaltsorten und Ausgängen platziert.

Wirtschaftlichkeit
Die robuste und einfache Grundstruktur erlaubt es, mit minimalen Mitteln eine hochwertige Neugestaltung der Bahnhofstraße mit Fest- und Quartiersplatz / Bahnhofsvorplatz und den angrenzenden Straßenräumen und der Wohnbebauungen herzustellen. Eine große Aufenthaltsqualität wird auf der Straße und den Plätzen erzeugt und gleichzeitig die Übersichtlichkeit und Bewegungsfreiheit erhöht. Wenige hochwertige Details und eine hochwertige Materialverwendung geben dem Ort eine angemessene Gestalt innerhalb des Ortsgefüges. Dabei wird auf zeitlose und einfache Materialien wie Bayrischem Granit, Werkstein und eine klassische Formensprache gesetzt.

Plan 1
Plan 1
 



Plan 2
Plan 2
 



Plan 3
Plan 3
 



Modell
Modell
 



Modell
Modell
 
Entscheidung:
06-2015

Ort:
Planegg / Krailling (D)

Verfahren:
Kooperativer Ideenwettbewerb für das Bahnhofsumfeld
Nichtoffener Planungswettbewerb nach RPW 2013

Teilnehmer:
Architekten, Landschaftsarchitekten

Auslober:
Gemeinde Planegg
Gemeinde Krailling

In Arbeitsgemeinschaft mit:
bbz landschaftsarchitekten - Berlin