IIKE
Institut für Industriebau und konstruktives Entwerfen der TU Braunschweig

 

Architekt Philipp Koch, Geschäftsführer vom atelier pk war von 02-2006 bis 12-2007 mit einer 50% Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IIKE, Institut für Industriebau und konstruktives Entwerfen der TU Braunschweig bei Prof. Carsten Roth beschäftigt.

Inhalt seiner wissenschaftlichen Arbeit am IIKE war die Bearbeitung von zwei Forschungsprojekten mit dem Themenschwerpunkt „Mehrgeschossiger Holzbau“ für das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung - BBR.



 

„Vom industrialisierten Einfamilienhaus zum verdichteten Wohnungsbau“


Kurzdarstellung:
Neue urbane Wohnformen und Bauherrenkonstellationen
Wir erleben heute die Renaissance der Stadt. Die Zeit der Einfamilienhäuser am Stadtrand geht zu Ende. Viele Menschen möchten wieder in der Stadt leben. Diese neuen Stadtmenschen sind anspruchsvoll. Wer jedoch seinen Wohnraum individuell planen und gestalten möchte, steht vor einem großen Problem. In den verdichteten Stadtwohnlagen haben Nutzer meist nur geringen Einfluss auf die Konzeption ihres zukünftigen Wohnraumes. Da beim freistehenden Einfamilienhaus der Bauherr meist auch Nutzer ist, kann er hier seinen Wohnraum individuell gestalten. Daher schließen sich überzeugte Städter immer häufiger zu Baugemeinschaften zusammen, um Ihre individuellen Wohnvorstellungen gemeinschaftlich zu realisieren. Diese Baugemeinschaften in der Stadt stellen das zeitgemäße Pendant zum Einzelbauherrn auf dem Land dar.

Neue mehrgeschossige Holzbauweisen
Parallel zu dieser gesellschaftlichen Entwicklung erhält der Holzbau mit bis zu 5 Geschossen endlich Einzug in den urbanen Raum. Der industrialisierte Einfamilienhausbau wird heute fast ausschließlich in vorgefertigtem Holzbau realisiert. Der Großteil der Häuser ist individuell konfigurierbar. Darüber hinaus ist der Holzbau ist eine Bauweise, die aktuell über die modernsten Vorfertigungsmethoden verfügt. Die Gründe hierfür liegen vor allem in den vorteilhaften Materialeigenschaften des Baustoffs Holz. Dazu zählen einfache Bearbeitbarkeit, gute statische Eigenschaften, geringe Wärmeleitfähigkeit, leichtes Transportgewicht,- um nur einige Punkte zu nennen.
Mit Einführung der Gebäudeklasse 4 in der neuen Musterbauordnung aus dem Jahr 2002 und der Verabschiedung der Muster-Richtlinie M-HFHHolzR von 2004 sind die Rahmenbedingungen für den 5-geschossigen Holzbau in Deutschland geschaffen worden. Dies bedeutet, dass der nachhaltige Baustoff Holz nicht weiter auf Gebäude geringer Höhe, also auf Einfamilien- und Doppelhäuser im suburbanen Bereich beschränkt bleiben muss, sondern auch eine mehrgeschossige Bauweise möglich wird. Die Bauherren können hierbei unter Vorgabe der individuellen Planungsansprüche die Vorteile der industriellen Fertigung in Bezug auf baukonstruktive Qualität, Kosten- und Terminsicherheit nutzen.

Vom industriellen Einfamilienhaus zum Mehrfamilienhaus

Vor diesem Hintergrund fokussiert sich die Forschungsarbeit ausschließlich auf den vorgefertigten mehrgeschossigen Holzbau. Die Arbeit versucht, den Bedarf an individuellen, zeitgemäßen Wohnangeboten in der Stadt und die neuen hohen Potenziale des mehrgeschossigen Holzbaus miteinander zu verknüpfen und daraus eine neue Konzeption für städtisches Wohnen zu entwickeln:
Den 5-geschossigen Holzbau für die Stadt oder kurz das „Urbane Fertighaus“.

Die Arbeit legt die Grundlagen für das „Urbane Fertighaus“. Das daran angeschlossene Verbundforschungsvorhaben „fertighauscity5+“ im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau entwickelt disziplinübergreifend praxisnahe Modelle für die bauliche Umsetzung.


Forschungsprogramm:
Baufo 2005


Forschungsgeber:
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung - BBR


Laufzeit:

02 -2006 bis 12 - 2007


Bearbeitung Forschungsprojekt:
IIKE Institut für Industriebau und konstruktives Entwerfen - TU Braunschweig
Prof. C. Roth, Philipp Koch, Daniel Rozynski



 

fertighauscity5+ (Verbundforschungsvorhaben)


Kurzdarstellung:


Der Prototyp für die serielle Produktion von fertighauscity5+ ist ein 5-geschossiges Wohnhaus, das je nach Anforderung eine Breite von 15,50 bis 20 m und eine Tiefe von 12-15 m hat. Die Wohnfläche je Etage beträgt zwischen 140 und 230 qm mit 1 bis 3 Wohneinheiten, auch eine Verbindung der Etagen zu Maisonettwohnungen ist möglich.
Alle Wohnungen sind barrierefrei zugänglich. Für die Grundriss- und Fassadengestaltung gibt es eine große Bandbreite an Angeboten, die individuell nach den Bedürfnissen der Nutzer gefertigt werden. Singelwohnungen, Wohnungen für Wohngemeinschaften und Großfamilien aber auch Wohnungen für Pflegebedürftige mit zuschaltbaren Einheiten für das Pflegepersonal sind angedacht.
Der Prototyp fügt sich in die klassische innerstädtische „urbane“ Parzelle, ist aber auch als Reihenhaus und freistehendes Einzelhaus realisierbar. Der Dachgarten, die Loggien und Balkone und das aufgelockerte großräumige Erdgeschoss sorgen für großzügige Freiräume auch in einem dicht bebauten städtischen Umfeld.

Um Bauaufgaben im innerstädtischen Bereich umsetzen zu können, bedarf es der Bündelung (finanzieller) Kräfte der Einzelbauherren. Als Dachorganisationen für die Erfüllung individueller Wohnbedürfnisse könnten Bauherrengemeinschaften dienen. Dabei kann die Bauherrengemeinschaft als ein Zusammenschluss verschiedener Akteure verstanden werden, die anstelle eines Eigenheimes im suburbanen Raum, ihre Bauinteressen im innerstädtischen Bereich realisieren. Ebenfalls sollen klassische Bauträgermodelle mit späterem Verkauf möglich sein, wobei auch hier die Nutzer frühzeitig in die Planung eingebunden werden sollten.

Die Bauherren können unter Vorgabe der individuellen Planungsansprüche die Vorteile der industriellen Fertigung in Bezug auf baukonstruktive Qualität, Kosten- und Terminsicherheit nutzen.

Besonders unter Berücksichtigung der derzeitigen Klimadiskussionen ist Holz als nachwachsender Rohstoff für die Verringerung der CO²-Belastung ein wichtiger ökologischer Faktor. Die Flexibilität und die mögliche Anpassung der Gebäude an die verschiedenen Lebensentwürfe der Nutzer von „fertighauscity5+“ stehen ganz im Sinne einer nachhaltigen und langlebigen Bauweise.
Holz besitzt als Baustoff an sich eine gute Wärmeisolationseigenschaft und sorgt für ein ausgeglichenes Raumklima. Die Gebäude sollen als so genannte „Passivhäuser“ mit Wärmerückgewinnung realisiert werden. Zusätzlich ist die passive und aktive Sonnenenergienutzung sowie die Grauwassernuztung als ökologische Maßnahmen geplant.


Forschungsprogramm:
Zukunft Bau


Forschungsgeber:

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung - BBR


Laufzeit:

01 - 2007 bis 12 – 2007


Verbundpartner Forschungsprojekt:

IIKE Institut für Industriebau und konstruktives Entwerfen - TU Braunschweig
Prof. C. Roth, Philipp Koch, Christoph Roedig, Daniel Rozynski, Matthias Schrimpf

IGS Institut für Gebäude und Solartechnik - TU Braunschweig
Prof. Dr. N. Fisch, Philipp Eikmeyer, Volker Huckemann

IBMB Institut für Brandschutz und Massivbau - TU Braunschweig
Prof. Hosser, Björn Kampmeier, Ralf Schnetgöke

O.Lux Holzbau – Roth
Geschäftsführer W. Dittrich

BWK – Bauwohnberatung Karlsruhe
Dipl. Ing. A. Grünenwald, Thomas Hauer, Gabriele Zenk


Externe Experten:

Prof. Brian Cody, TU Graz
Dr. Dirk Kruse, WKI Fraunhofer Gesellschaft Braunschweig
Prof. Andreas Löffler, Hochschule für Technik Stuttgart
Prof. Nikolaus Nebgen, HAWK, FH Hildesheim