1. Preis 
Neugestaltung von Busbahnhof und Bahnhofsumfeld - Weilheim

Perspektive Dachtragwerk ZOB
Perspektive Dachtragwerk ZOB
 
Perspektive Bahnhofsvorplatz
Perspektive Bahnhofsvorplatz
 
Schwarzplan
Schwarzplan
 


Städtebauliche Konzeption
Die städtebauliche Idee besteht darin, die verschiedenen funktionalen Anforderungen in einem gestalterischen Gesamtkonzept zu erfüllen und keine additive Einzellösungen vorzuschlagen. Das „Neue Weilheimer Bahnhofsband“ mit den folgenden 3 Gestaltungselementen wird zum prägenden Ort für Weilheim:
- Einheitlicher und robuster Granitbelag als Großsteinpflaster in freiem Verband
- Moderne, lichtdurchflutete Glasdachkonstruktionen für den ZOB und die Bike & Ride Station
- Baumvariationen (Baumhain, Baumallee, Einzelbäume)

Das „Neue Weilheimer Bahnhofsband“ gliedert sich parallel entlang der Gleisein 3 Bereiche:
- der nordöstliche Bereich mit dem ZOB
- der mittlere Bereich mit dem Bahnhofsvorplatz, dem Postvorplatz und dem neuen Fahrradparkplatz (Ecke Bahnhofsallee)
- der südwestliche Bereich mit Glasdachkonstruktion der Bike & Ride Station.

Angrenzend an den ZOB liegt der zukünftige private / städtische Busparkplatz, angrenzend an die Bike & Ride Station das neue Quartier „An den Obstgärten“.

Freiraumkonzept
Übergeordnet wird zukünftig die Weilheimer Innenstadt mit der Fußgängerzone in der Schmiedstraße über die Münchener Straße, sowie der Bahnhofstraße und der Bahnhofallee verknüpft. Das Werkstein- Großpflaster der Schmiedstraße wird in die nördlich angrenzenden Straßenzüge auf den Gehwegen bis zum „Neuen Weilheimer Bahnhofsband“ fortgeführt und stärkt somit die Fußwegebeziehung zwischen Bahnhof und Innenstadt. Als Ankunfts- und Abfahrtsort des Öffentlichen Personennahverkehrs wird dem „Neuen Weilheimer Bahnhofsband“ in seiner Gestaltung und Funktionalität besondere Bedeutung beigemessen. Die zentrale Achse aus einem einheitlichen Belag aus Granit-Großsteinpflaster wird in ihrer Form präzisiert und vereint unterschiedliche Nutzungen und Anforderungen. Die 3 klar gegliederten Bereiche (ZOB, Bahnhofsvorplatz und Postvorplatz sowie der Fahrradstellplatz) werden einerseits innerhalb des Bahnhofsbandes zusammengefasst, andererseits in Baumsetzung und Ausformulierung der Aufenthaltsbereiche unterschiedlich akzentuiert. Südlich angrenzend an das Bahnhofsband befindet sich das neue Quartier „An den Obstgärten“. Hier umschließen die Neubauten einen privaten Hofbereich. Nördlich des Ärztehauses schafft der neue Quartiersplatz die Verbindung zum Bahnhofsband.

Lageplan
Lageplan
 
Lageplan - Detailausschnitt ZOB
Lageplan - Detailausschnitt ZOB
 
Lageplan - Detailausschnitt Neubauquartier „An den Obstgärten“
Lageplan - Detailausschnitt Neubauquartier „An den Obstgärten“
 


ZOB
Die 5 Haupt-Bussteige des neuen ZOB werden direkt an Gleis 1 angrenzend unter einer lichten 8m breiten Glasdachkonstruktion platziert, wodurch eine direkte und komplett wettergeschützte Anbindung zu Gleis 1 angeboten werden kann. Die Bussteige sind als Sägezahn konzipiert um eine reibungslose An- und Abfahrt der Busse zu ermöglichen. Aufgrund der benötigten großen Wenderadien wird eine grüne Mittelinsel mit Baumhain und Schotterrasen gegenüber der Bussteige vorgesehen. So können die versiegelten Flächen minimiert und gleichzeitig die benötigten Busaufstellflächen vorgehalten werden. Der grüne Baumhain erhöht außerdem die Aufenthaltsqualität für die Wartenden und wird somit wesentlich zur Akzeptanz des ZOB beitragen. Die Gemeinschaftshaltestelle von RVO und Stadtbus wird direkt am Bahnhofsgebäude vorgesehen und informiert schon hier mittels DFI Anzeiger (Digitale Fahrgast Information) über die hinter dem Stellwerk liegenden Bussteige.

Bahnhofsvorplatz und Postvorplatz
Der Bereich vor dem Bahnhof wird in seiner Aufenthaltsqualität durch den neuen einheitlichen Belag als Shared Space mit 3cm Flachbord gestärkt. Langbänke unter großkronigen Solitärbäumen und die neue Außengastronomie im alten Bahnhofsgebäude laden zum Verweilen ein. Der Bereich zwischen dem Haupteingang des Bahnhofs und der Post wird bewusst als Wege- und Sichtverbindung von festen Einbauten und Stellplätzen freigehalten.

Fahrradstellplatz
Der neue Fahrradstellplatz ist direkt an die übergeordnete Radwegeverbindung angebunden und bietet insgesamt 240 Fahrradstellplätze als kompaktes doppelseitiges Aufstellsystem (z.B. Pedalparc) sowie außerdem 44 Fahrradsafes. Eine transparente Überdachung der Fahrradstellplätze kann auf Wusch vorgesehen werden um den Komfort der Nutzer zu erhöhen.

Bike & Ride mit Radstation
Die Bike & Ride Station nimmt die Formensprache des gläsernen Dachtragwerks des ZOB wieder auf, und bietet unter dem 83m langen Dach Platz für 450 wettergeschützte Doppelstock Fahrradparker und eine Radstation. Die
eingerückten Seitenwände der Fahrradstation sind als Fassade aus Doppelstegplatten geplant, die Abends /
Nachts zu einem transluzenten Lichtobjekt werden.
Übergeordneter Radweg
Die wichtige Fahrradwegeverbindung entlang der nördlichen Münchener Straße über das „Neue Weilheimer Bahnhofsband“, die Bahnhofstraße, Bahnhofgasse wird in ihrer Lage und Funktion gestärkt. Der Radweg führt zukünftig von Norden entlang der Grundstücksgrenze des Staatlichen Bauamtes über eine parallel zum Bahnhofsband geführten Rampe zum Bahnhofsvorplatz. Von dort wird der Weg im Straßenraumprofil der Bahnhofstraße und dann auf dem westlich des neuen Quartiers befindlichen Radweg in Richtung Süden geführt.

Beläge
Ein einheitlicher Belag aus gestocktem Granit-Großsteinpflaster fasst das „Neue Weilheimer Bahnhofsband“. Als gestocktes Material wird es heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit und guter Begehbarkeit gerecht. Ein Tiefbord mit einer Höhe von 3cm im Bereich des Bandes, ebenfalls aus Granit setzt die Fahrbahnen innerhalb des Shared Space leicht ab. Eine Fahrbahnbreite von 6,50m ermöglicht den konfliktfreien Busbegegnungsfall. In der Bahnhofallee, der Bahnhofstraße und der südlichen Münchener Straße werden die Gehwege in einem einheitlichen Werksteingroßpflaster ausgestattet und bis an die Schmiedstraße, die ebenfalls in aus diesem Belag besteht, herangeführt. An den wichtigen Aufenthaltsbereichen im Bahnhofsband laden großzügige Sitzbänke aus Holz zum Verweilen ein. Die Beleuchtung des öffentlichen Straßenraumes übernehmen schlichte Lichtstelen, die durchgängig im Straßenraum platziert werden. Abfallbehälter werden an den Aufenthaltsorten und Ausgängen platziert. Die robuste und einfache Grundstruktur erlaubt es, mit minimalen Mitteln eine hochwertige Neugestaltung des „Neuen Weilheimer Bahnhofsbandes“ und der angrenzenden Straßenräume herzustellen. Eine große Aufenthaltsqualität wird auf der Straße, den besonderen Plätzen und Fußwegen erzeugt und gleichzeitig die Übersichtlichkeit und Bewegungsfreiheit erhöht. Wenige hochwertige Details und eine hochwertige Materialverwendung geben dem Ort eine angemessene Gestalt innerhalb des Ortsgefüges. Dabei wird auf zeitlose und einfache Materialien
wie Bayrischer Granit, Werkstein und eine klassische Formensprache gesetzt.

Dachtragwerk und Busbahnsteig ZOB
Das Dachtragwerk erfüllt neben den funktionalen Anforderungen durch seine Gestalt eine identitäts-stiftende Aufgabe. Hierzu wird eine lichtdurchflutete, silberne Stahl-Glas-Konstruktion in reduzierter und konstruktiver Formensprache gewählt. Die ca. 65cm hohe, weiße Corian-Banderole erzielt die nötige städtebauliche Fernwirkung, schafft eine gute Orientierung / Auffindbarkeit der Bussteige. Nachts ist die Corian-Banderole partiell hinterleuchtet. Die Stahlglaskonstruktion ermöglicht eine lichte, filigrane und wettergeschützte Konstruktion mit einer hohen Aufenthaltsqualität für die Kunden. Auf künstliche Belichtung kann tagsüber komplett verzichtet werden. Um auch Abends / Nachts einen Angstraum unter dem Dachtragwerk zu vermeiden, ist eine helle und gleichmäßige Ausleuchtung der Fläche insgesamt, sowie der Bussteigkante im Besonderen von hoher Bedeutung. Diese erfolgt über lineare LED Leuchten, die in der Corian-Banderole integriert sind und sich der Gestaltung unterordnen. Die Stahlkonstruktion kommt mit einer Stützenmittelreihe (Spannweite 7,5m / 8,75m) aus, somit ist der Bussteig darunter sehr gut nutzbar. Die Entwässerung der Dachflächen erfolgt über eine Mittelrinne mit Entwässerungsstutzen an jeder zweiten Stütze mit Revisionsklappe 1m über Gelände. Für jeden Bussteig wird eine Sitzgruppe mit insgesamt 18 Einzelsitzen kombiniert mit einem Windschutzelement und Papierkörben vorgesehen. Die DFI´s (Digitale Fahrgast Information) und ggf. statische Anzeiger werden beidseitig an den Stützen gut sichtbar positioniert und sind in ein gesamtheitliches Wegeleitsystem integriert. Die Glasdachkonstruktion ist nicht durchsichtig, sondern lediglich durchscheinend geplant. Etwaige Verschmutzungen der Glasoberseite sind somit von unten nicht störend sichtbar. Um dennoch eine wirtschaftliche Reinigung der Dachfläche durch eine einzelne Person zu ermöglichen, wird die diese nach der TRLV (Technische Richtlinie für liegende Verglasung) und begehbar ausgeführt. Die Barrierefreiheit für Geh- und Sehbehinderte wird über den ebenen Belag mit Blindenleit- und Kontraststreifen, die notwendigen freien Bewegungsflächen an den Einstiegsbereichen der Busse, sowie eine barrierefreien Beschriftung gewährleistet. Der barrierefreie Zugang vom Bussteig zum Bahngleis erfolgt über die Rampe im Bereich der DB Anlagen.
Aufgrund der kompletten Vorfertigung kann das Dachtragwerk (exkl. Gründung) innerhalb von 4 Wochen komplett montiert und die Bauzeit entsprechend verkürzt werden.

Dachtragwerk ZOB - Querschnitt
Dachtragwerk ZOB - Querschnitt
 
Dachtragwerk ZOB - Längsschnitt
Dachtragwerk ZOB - Längsschnitt
 
Dachtragwerk ZOB - Aufsicht
Dachtragwerk ZOB - Aufsicht
 
Modell
Modell
 


Neubauquartier „An den Obstgärten“
Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, zwischen der bestehenden auf 4m verbreiterten Bahnhofgasse im Südosten und den Gleisanlagen im Nordwesten erstreckt sich das neue Quartier „An den Obstgärten“.

Ärztehaus
Direkt an das „Neue Weilheimer Bahnhofsband“ anschließend, bildet das 4 ½ - geschossige Ärztehaus mit Läden
und Außengastronomie den Auftakt des neuen Quartiers. Das Ärztehaus richtet sich parallel zur Bahnhofstraße
aus, rückt aber ca. 17m von der Straße ab. So entsteht hier, am Umlenkpunkt in die Innenstadt, ein kleiner Quartiersplatz mit öffentlicher Funktion. Die Erschließung des Ärztehauses erfolgt vom Vorplatz aus.

Wohnungsbau
Auf den südwestlichen Flächen ist eine Wohnanlage bestehend aus 3 Wohnungsbauten mit jeweils 3½ Geschossenvorgesehen. Die Gebäude erstrecken sich parallel zu den Gleisanlagen und schützen den gemeinschaftlichen Hof vor den Emissionen der Bahn. Die 5m breiten Gebäudefugen dienen als Wege- und Blickbeziehungen zwischen öffentlichem und privatem Raum und werden zur Minderung der Bahnemissionen mit einer Schallschutzverglasung vom 1. bis zum 3.OG versehen.

Erschließung
Alle Wohngebäude werden über den Innenhof erschlossen und verfügen über einen 2m tiefen Vorgarten mit Hecke
zum davor liegenden Geh- und Radweg. Das EG der Wohngebäude wird als Hochparterre (ca. +75cm) mit barrierefreiem Zugang ausgebildet um auch diesen Wohnungen eine ausreichende Privatsphäre zu bieten. Ein direkter Zugang von den Treppenhäusern in die gemeinschaftliche Tiefgarage ist ebenfalls möglich.

Grüner Innenhof
Der lärmgeschützte Innenhof wird gemeinschaftlich genutzt. Er fungiert als Spielplatz für Kinder und Jugendliche und Begegnungsraum für die Erwachsenen. Freisitze, Fahrradabstellbereiche und Müllstellplätze werden an der Bahnhofgasse in einer Funktionsspange zusammen gefasst. Zwischen diesen Funktionsspangen und den Gebäuden erstreckt sich eine großzügige, multinutzbare Freifläche.

Schallschutz
Die Gebäude werden in Massivbauweise mit Wänden aus Stahlbeton oder KS (Rohdichte mind. 2.0) errichtet, die Fenster werden in Schallschutzklasse 5 ausgeführt. Alle Wohnungen werden als durchgesteckte Wohnungen konzipiert, die Schlafbereiche werden vorzugsweise zum ruhigen Innenhof hin orientiert. Auf der, den Gleisen zugewandten Seite, werden die Räume bei Bedarf mit einer mechanische Be- und Entlüftungsanlage versehen.

Erschütterungen
Ob Maßnahmen wegen Erschütterungen, bzw. sekundärem Luftschall notwendig sind, muss durch ein entsprechendes Erschütterungsgutachten geprüft werden. Bei einem Abstand von mehr als 10m ist dies aber nicht zwingend. Wenn notwendig, wird eine der folgenden Schwingungsminderungsmaßnahmen notwendig werden: Elastische Gebäudelagerung / Bohrpfahlgründung / Versteifung von Tragwerksdecken.

Tiefgarage
Nach der Stellplatzverordnung von Weilheim müssen für das Ärztehaus ca. 60 Kfz-Stellplätze, für die gesamte Wohnbebauung ebenfalls ca. 60 Kfz-Stellplätze vorgehalten werden. Die Planung sieht eine Unterbringung aller benötigten Stellplätze in einer gemeinschaftlichen Tiefgarage vor, mit Zufahrt im Ärztehaus. Von der Anforderung, 20% der Stellplätze oberirdisch zu realisieren, wird abgewichen, um die Wohngesundheit der Bewohner nicht durch zusätzliche Kfz Emissionen im Blockinneren zu verschlechtern. Das Fehlen von oberirdischen Stellplätzen wird durch die Nähe zum ZOB, zum Bahnhof und zur Bike & Ride Station mehr als kompensiert.

Städtebauliche Körnung - Durchmischung
Die Realisierung soll von verschiedenen Akteuren, z.B. Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, Baugemeinschaften oder Bauträgern in Bauabschnitten erfolgen. So wird eine gesunde Durchmischung der zukünftigen Bewohnerschaft erreicht und eine differenziertes Wohnungsangebot geschaffen.

Entscheidung:
10-2014

Ort:
Stadt Weilheim (D)

Verfahren:
Nicht offener städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb nach RPW

Teilnehmer:
Architekten, Landschaftsarchitekten

Auslober:
Stadt Weilheim

In Arbeitsgemeinschaft mit:
bbz landschaftsarchitekten - Berlin