Wettbewerb
„Züricher Strasse“ Nürnberg - Grossreuth

 
 

LEITIDEE
Das neue Quartier "Nürnberg Neuholz" an der Züricher Straße bildet mit seinem Stadtteilzentrum an der U-Bahn Station Großreuth bei Schweinau ein neues Entrée in die Stadt. Es ist Landmarke und zugleich Auftakt aus dem südwestlichen Landschaftsraum. Für das eigene Quartier aus Doppel,- Reihenhäusern und Geschosswohnungsbau wie auch für die umliegenden Quartiere wird am U-Bahnhof ein Zentrum für Dienstleistung, Nahversorgung, Handel und soziale Einrichtungen geschaffen. Mit dem vorgelagerten Stadt- bzw. Marktplatz entsteht ein urbanes Zentrum, dass zum Herz des neuen Quartiers wird und einen neuen kulturellen Mittelpunkt für die umgebenden Quartiere bildet. Neben dem urbanen Zentrum bildet der Quartierspark die freiräumliche Mitte von „Nürnberg Neuholz“, der den Landschaftsraum von den Pegnitzauen bis zum Westpark als Grünraumverbindung fortsetzt. Nördlich schließt sich daran einen Bebauung aus Reihen- und Doppelhäusern an. Südlich davon entstehen größere Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau. Mit der Bebauungsdichte und Volumetrie des Stadtteilzentrums wird die Bebauungsstruktur nördlich der Züricher Straße aufgegriffen. Die Bebauung mit Reihen- und Doppelhäusern orientiert sich an der städtebaulichen Struktur der angrenzenden Bebauung an der Genfer Straße. Der Geschosswohnungsbau greift in seiner Struktur und Ausbildung ebenfalls die geplante Bebauung auf dem ehemaligen Sportgelände des ATV der wbg Nürnberg auf. Der strukturelle Leitfaden, den der Entwurf für eine zukünftige Entwicklung des neuen Stadtteils mit Wohnquartieren vorschlägt, ergibt sich aus der Verflechtung von Landschafts-, Grün- und Stadtstruktur. Ziel des Konzeptes ist die Definition eines identitätsstiftenden Zentrums für die bestehende Siedlung und die neuen aufgelockerten und durchgrünten Wohnquartiere. Die Landschaft wird in das Wohnquartier geholt und eine enge Verzahnung zwischen Siedlungsstruktur und Landschaftsraum entsteht.

NÜRNBERG NEUHOLZ
Der Name ist Konzept. Auf der ehemaligen großen Rodung des Königshofs Fürth wird ein neuartiges, CO2-neutrales Quartier entstehen: "Nürnberg Neuholz". Ein CO2-neutrales Quartier, nicht nur in Hinsicht auf den Betrieb, sondern auch hinsichtlich der Erstellung. Zusätzlich wird das im Holzbau gebundene CO2 nicht an die Umwelt abgegeben, die Gebäude selber werden zu CO2-Speichern. Holzcubes, Townhäuser und das Kinder- und Jugendhaus werden mit Ausnahme von Keller, Bodenplatte und Treppenhäusern komplett in vorgefertigter Holzbauweise errichtet. Das Stadtteilzentrum ist aufgrund seiner großen Dimension und Höhe (Gebäudeklasse 5) als „Hülle-Holz-Konzept“ in Kombination mit klassischem Stahlskelettbau geplant. Die Transmissionswärmeverluste können durch die geringe Wärmeleitfähigkeit der Holzhülle so stark minimiert werden, dass in Kombination mit Wärmerückgewinnungsanlagen, Gewinnen aus Photovoltaik und/oder Solarkollektoren oder Erträgen aus Geo und/ oder Luftthermie der Passivhausstandard, bzw. der Nullenergiehausstandard spielend erreicht wird.Weitere Vorteile der Holzbauweise liegen bekanntlich in der besseren Wohngesundheit für die Bewohner und in den geringen Entsorgungskosten aufgrund der Recyclingfähigkeit des Materials Holz.

STADTEILZENTRUM
Das Stadtteilzentrum stellt ein hybrides Gebäude dar, dass sich in 3 Gebäudeteile gliedert. Das  Erdgeschoss ist den Funktionen Handel, Gastronomie und sozialen Einrichtungen vorbehalten und trägt so zur Belebung des neuen Quartiers bei. Im 1. Obergeschoss werden flexible Flächen in allen gewünschten Größen für nicht störendes Gewerbe und Dienstleistungen angeboten. Die angrenzenden Dachflächen der Gebäudeteile 1 und 2 sind als nutzbare Dachgärten konzipiert. Die darüber liegenden Wohngeschosse bieten eine Vielzahl an verschiedenen Wohnungsgrößen und Wohnungstypologien. Alle Wohnungen sind mit Blickbezug zum neuen Quartierspark konzipiert, sind mindesten zu 2 bzw. zu 3 Seiten orientiert und verfügen über Balkone (im Staffelgeschoss) oder Loggien (nicht dargestellt). Eine gemeinsame 2-geschossige Tiefgarage verbindet die drei Gebäudeteile und bietet insgesamt 340 Stellplätze und ausreichend Flächen für Keller und Haustechnik. Der Zugang der Tiefgarage erfolgt im östlichen Gebäudeteil, so dass störende Lärmemissionen verhindert werden können.

 
 

HOLZCUBES
Die 8 Holzcubes sind als Punkthäuser in Holzbauweise mit 4,5 Geschossen geplant. Der zentrale Erschliessungskern erlaubt eine flexible Grundrissgestaltung der Wohnungen. Neben unterschiedlichen Wohnungszuschitten auf einer Etage sind selbstverständlich auch Maisonetten über 2, oder 3 Geschosse realisierbar. Alle Wohnungen verfügen über einen 2m auskragenden und gut nutzbaren Balkon, das Staffelgeschoss über eine großzügige Dachterrasse. Das EG wird als Hochparterre (+0,8m) ausgeführt und gewährleistet so ausreichend Privatheit gegenüber dem angrenzenden Außenraum. Die Holzcubes sind vollunterkellert. Die 1-geschossige Tiefgarage wird von der Gerhart-Hauptmann-Straße erschlossen und bietet 99 Stellplätze und zudem weitere Fahrrad- und Motorradstellplätze.

TOWNHOUSE
Die 2,5 geschossigen Townhouses sind ebenfalls als reine Holzbauten (exkl. Bodenplatte / Brandwände) vorgesehen. Alle 35 Einheiten verfügen über einen privaten Garten und Stellplätze auf dem eigenen Grundtück. Die 9 Einheiten an der Genfer Strasse orientieren sich an der gegenüberliegenden Bebauung. Die übrigen Townhouses werden in 3 Reihen locker aufgereiht und orientieren sich mit ihren Dachterrassen selbstverständlich zum neuen Quartierspark.

KINDER- UND JUGENDHAUS
Gegenüber der neuen U-Bahnstation und dem Stadtteilzentrum, sowie direkt an der Gerhart-Hauptmann-Straße gelegen, ist das neue Kinder- und Jugendhaus optimal positioniert. Der V-förmige Grundriss macht eine Ausrichtung aller Gruppenräume nach Osten und Südwesten möglich. Die vorgelagerten Freiflächen sind vom EG direkt, vom 1. OG über einen Laubengang mit Freitreppen (nicht dargestellt) zugänglich. Da das Kinder- und Jugendhaus direkt an den Quartierspark angrenzt, können die hier geplanten öffentlichen Spielplätze und Freianlagen bequem mitgenutzt werden. Der Zugang erfolgt von Norden über ein 2- geschossiges Atrium mit Blick über den Quartierspark und zum neuen Stadtteilzentrum.

FREIRAUMKONZEPT
Der in Ost-West-Richtung verlaufende Grünzug vermittelt sowohl zwischen der umgebenen Landschaft und den städtischen Strukturen, sowie auch zwischen dem urbanen Stadtplatz mit der hohen, dichten Bebauungsstruktur und den großzügigen, grünen Wohnquartieren. Die neue Fuß- und Radwegeverbindung ausgehend von der westlichen Uferseite des Main-Donau- Kanals führt weiter über die Ringbahntrasse direkt durch das neue Quartier „Nürnberg Neuholz“ in Richtung Westpark und schafft so die Anknüpfung an das übergeordnete Fuß- und Radwegenetz. Die Grünraumverbindung zwischen Westpark und Pegnitzauen setzt sich durch den Quartierspark fort.

DER PLATZ
Auf der nordöstlichen Spitze des Quartiers „Nürnberg Neuholz“ entsteht an der Züricher Straße ein neuer urbaner Platz, der mit seinen hohen markanten Gebäuden und der großzügigen Dimensionierung ein urbanes Entree ausbildet. Hier an der neuen Ubahn Station Großreuth bei Schweinau entwickelt sich ein lebendiger Raum, gefüllt mit urbanem Leben. Die ebenerdige Nutzung von Gastronomie und Einzelhandel schafft in Verbindung mit ausgewählten Plätzen, Räume der Kontemplation, die zu Erholung und Aufenthalt einladen und einen multifunktionalen Freiraum für Anwohner und Besucher generieren. Eine Bodenintarsie als zentrale Platzfläche, ein neuer Brunnen und eine malerischer Eschesolitär strukturieren den Platz und unterstreichen seine Funktion als Identifikationspunkt des Quartiers „Nürnberg Neuholz“.

DER PARK
Der südlich gelegene, lineare Quartierspark generiert einen qualitativ hochwertigen öffentlichen Freiraum für die angrenzendenBaufelder. Die großzügige Grünfläche wird zum Bindeglied für die gesamte umgebene Bebauung, sowohl die bestehenden alsauch die neuen Quartiere werden hierüber verknüpft und angebunden. Im Park werden sowohl eine schnelle Wegeverbindung, entlang der U-Bahn-Trasse, sowie auch Wege zum Flanieren und Spazieren angeboten, die ebenfalls als Vermittler zwischen urbanem Platz und dem neuen südlich gelegenen Quartier dienen. Entlang des geschwungenen Spazierweges, reihen sich intensiv und extensiv nutzbare Flächen auf. Spielgelegenheiten bieten, durch unterschiedliche Ausgestatung viele Möglichkeiten zum Entdecken und Erleben an. Ein wechselvoller Gehölzbestand gliedert den Parkraum, bietet Schatten und lichte Bereiche zum individuellem Aufenthalt, zur Erholung und zum freiem Spiel.

 
 

FREIRÄUME HOLZCUBES
Das südlich gelegene Quartier besticht neben dem angrenzenden Parkstreifen durch die Vielzahl an halböffentlichen und
privaten Grünräumen, die dem Quartier ein eigenständiges und grünes Gesicht verleihen. Die Woodstocks erhalten neben
privaten Gärten für die Erdgeschosswohnungen, großzügige halböffentliche Grünräume mit Solitärbäumen und Wiesenflächen.
Die privaten Gärten der Holzcubes erhalten eine Fassung durch geschnittene Hecken. Die Baumstruktur des Quartierparks
zieht sich in die Bebauungsstruktur und generiert eine idyllische und parkähnliche Atmosphäre. Entlang der
Erschließungsstraßen bildet ein Mulden-Rigolen-System Retentionsflächen aus und schafft eine hohe Nachhaltigkeit und
Wirtschaftlichkeit durch die offene Regenwasserversickerung.

FREIRÄUME TOWNHOUSES
Auch das Wohnquartier mit den Townhouses im Nordosten, nimmt die Heckenpflanzungen als strukturierendes Element auf und erzeugt somit eine optische Verbindung trotz unterschiedlicher Bebauungsstruktur. Die Gärten sind großzügig bemessen und dimensioniert, so dass ein Bild eines grün geprägten Wohnquartiers entsteht, welches als weitläufig und einladend in Erscheinung tritt.

ERSCHLIESSUNG
Das neue Stadtteilzentrum und die Townhouses werden aus Richtung Rothenburger Straße über die Züricher Straße erschlossen, bis zur Appenzeller Straße. Die Holzcubes werden über die Gerhart Hauptmann-Straße erreicht, ebenfalls bis zur Appenzeller Straße. Der übergeordnete Radweg führt von den Pegnitzauen durch das neue Quartier „Nürnberg Neuholz“ und ergänzt so die Grünverbindung bis zum Westpark. Pkw — Stellplätze für Anwohner und Besucher und Fahrradstellflächen sind ober- und unterirdisch in zentraler Lage ausreichend vorhanden. Die Anbindung des neuen Stadtteilzentrums erfolgt über Erschließungsstraßen als Mischverkehrsflächen.

ENTWÄSSERUNGSKONZEPT
Die Entwässerung der Erschließungsflächen und befestigten Flächen erfolgt über die Einleitung in Mulden- und Rigolensysteme und Versickerung in den südlichen Bereichen der Erschließungsstraße. Dort werden flache Retentionsbecken angelegt, die das Wasser durch die belebte Oberbodenzone versickern. Insgesamt wird der Wasserabfluss durch die Dachbegrünung reduziert. Beide Maßnahmen tragen zu einer hohen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit des Quartiers bei und bilden den Grundstock einer ökologischen Mustersiedlung.

 
 
 

Entscheidung:
09 - 2013

Ort:
Nürnberg

Verfahren:
Städtebauicher Ideenwettbewerb

Teilnehmer:
Architekten / Landschaftsarchitekten

Auslober:
Stadt Nürnberg

In Arbeitsgemeinschaft mit:
bbz landschaftsarchitekten
- Berlin